Bundeswehr und ihr Umgang mit sexueller Vielfalt

Gepostet am 31.01.2017 um 15:41 Uhr

Diskriminierungen kann sich die Bundeswehr nicht leisten. Die Bundesverteidigungsministerin fordert Respekt für schwule, lesbische und transsexuelle Soldaten.

Die Bundeswehr braucht fähige Köpfe. Sie konkurriert mit großen Unternehmen, denn Nachwuchs – vor allem begabter und kreativer – ist begehrt. Und er ist rar. Jedenfalls liegt der Personalbedarf nach gut ausgebildeten, intelligenten jungen Leuten deutlich über den Zahlen, die der Arbeitsmarkt in Deutschland hergibt. Auch bei der Bundeswehr. Das alleine ist schon Motivation genug, mit Vorurteilen, schlimmer noch mit Diskriminierung von schwulen oder lesbischen Rekruten aufzuräumen.

Verteidigungsministerin von der Leyen gebührt Anerkennung, dass sie sich dieses heiklen Themas offensiv annimmt. Sogar mit einer eigenen Konferenz. Ihre lesbische Staatssekretärin Suder dürfte sie ermutigt haben: nicht nur aus Opportunität. Sie will ein Signal senden. Die Bundeswehr als Arbeitgeber hat besondere Sorgfaltspflichten. Gerade wegen der strengen Disziplin, die eine Armee nun einmal braucht. Und wegen der unvermeidlichen Hierarchie, die eine besondere Schutzverpflichtung gegenüber Untergebenen auferlegt. Vorgänge wie in Pfullendorf, wo sich Untergebene entwürdigenden Praktiken aussetzen mussten, zeigen, dass vorbildliches Führungsverhalten noch längst nicht Allgemeingut ist in der Bundeswehr.

Wenn selbst noch im aktuellen Wehrbericht steht, dass Soldaten wegen ihrer sexuellen Ausrichtung um ihre Karriere fürchten müssen, lesbische Frauen herabwürdigende Bemerkungen im Dienst zu ertragen haben, dann ist das beschämend. Und äußerst schlecht für die Moral in der Truppe.

Die Zeiten, als ein untadeliger Viersternegeneral allein wegen des Verdachts homosexuell zu sein, unehrenhaft in den Ruhestand versetzt wurde, sind passé. Dass sich die Bundeswehr aber 34 Jahre später noch immer dem Vorwurf gefallen lassen muss, ein zweifelhafter Arbeitgeber für Schwule und Lesben zu sein, zeigt, wie wichtig von der Leyens Initiative ist.

Zuletzt aktualisiert: 24.08.2017, 03:14:06