6000 Tonnen Papier – pro Jahr

Gepostet am 22.01.2019 um 10:48 Uhr

Faxen statt Mailen, Ausdrucke statt elektronischer Akten: Der Weg zur Digitalisierung bei der Bundesregierung scheint noch weit. Sie verbraucht 148 Millionen Blatt Papier pro Jahr. Von Frank Aischmann.

Faxen statt Mailen, Ausdrucke statt elektronischer Akten: Der Weg zur Digitalisierung bei der Bundesregierung scheint noch weit. Sie verbraucht 148 Millionen Blatt Papier pro Jahr.

Von Frank Aischmann, ARD-Hauptstadtstudio

Als der FDP-Abgeordnete Roman Müller-Böhm als jüngster Parlamentarier in den Bundestag einzog, wartete er vergeblich auf moderne, digitale Kommunikation mit der Bundesregierung. Stattdessen setzt die bis heute auf analog: „Hier geht quasi alles nur über das Faxgerät. Jedes Mal wird ein Fax ausgedruckt, wahrscheinlich auch wieder abgeheftet und kopiert. Da wollte ich dann einfach mal nachhaken.“

Schließlich verordnete sich die Regierung schon im Jahr 2013 ein E-Government-Gesetz, die gute alte Papier-Akte soll durch die elektronische Akte abgelöst werden, die Bundesverwaltung flächendeckend digitalisiert und vernetzt sein. Ende 2022 soll jeder Bürger alle Verwaltungsleistungen online nutzen können.

Ein 190 Kilometer hoher Papierturm

Auf dem Weg dahin fragte der Abgeordnete Müller-Böhm offiziell an: Wie nachhaltig ist die Bundesregierung tatsächlich? Er wollte konkret wissen, wieviel Blatt Papier Ministerien und Bundesbehörden pro Jahr verbrauchen. Die Antwort war ziemlich erschütternd, sagt der Abgeordnete: „Wir haben festgestellt, dass die Bundesregierung sage und schreibe 148 Millionen Blatt Papier pro Jahr verbraucht. Mit den nachgelagerten Behörden sind es sogar knapp 1,2 Milliarden.“ Müller-Böhm rechnete das um und kam zum Ergebnis, dass 6000 Tonnen Papier verdruckt worden sind.

Stapelt man die Drucker-Papierpakete fein säuberlich übereinander, ergibt sich ein Stapel von fast 190 Kilometern Höhe. Kippt man ihn um, reicht der Papierstapel von Berlin nach Leipzig. Regierung und Bundesbehörden sind damit nicht nur weit entfernt vom nachhaltigen, papierlosen Büro. Müller-Böhm sagt auch, dass er sich noch nicht so richtig vorstellen könne, wie bald die E-Akte kommen solle. Die soll nämlich eigentlich genau dieses Papier überflüssig machen.

Zustellung erst als Papier, dann per Mail

Die Bundesregierung schreibt in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten: „Die internen Prozesse der Verwaltung sollen durchgängig digitalisiert, vernetzt und medienbruchfrei gestaltet werden“. Soweit die Theorie. Praktisch haben die verschiedenen Ministerien und untergeordnete Behörden nicht einmal ein gemeinsames Intranet-System, ergab die Kleine Anfrage. Immerhin, so Müller-Böhm: „Die Bundesregierung plant dieses Jahr einen ersten Launch eines einheitlichen Intranetes vorzustellen. Ich musste darüber ein bisschen schmunzeln. Wir haben ja viele Erfahrungen gemacht, wie lange es tatsächlich dauert, wenn die Bundesregierung irgendetwas in dem Bereich anfasst.“

Das gilt übrigens auch – Stichwort Nachhaltigkeit – für Antworten der Regierung auf Kleine Anfragen des Parlaments. Diese ließen sich eigentlich prima digital übermitteln, sagt der Abgeordnete Müller-Böhm, aber: „Es wird dem Bundestag tatsächlich noch als Papier zugestellt und danach wird es dann digitalisiert. Wir bekommen es dann intern als E-Mail zugeschickt.“

1,2 Milliarden Blatt: Der Papierverbrauch der Bundesregierung
F. Aischmann, ARD Berlin
11:08:51 Uhr, 22.01.2019

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 18:53:17