Der große Unbekannte übernimmt

Gepostet am 01.07.2016 um 02:02 Uhr

53 Jahre alt, Bürstenhaarschnitt, Verwaltungsbeamter, Typ knapp und knarzig: Nein, viel ist bislang nicht bekannt über Bruno Kahl. Fleißig soll er sein, und auch klug. Kennt sich aus mit Bundesimmobilien. Aber kann Kahl auch Geheimdienste? Andrea Müller über den neuen BND-Chef.

53 Jahre alt, Verwaltungsbeamter, Bürstenhaarschnitt, Typ knapp und knarzig: Nein, viel ist bislang nicht bekannt über Bruno Kahl. Fleißig soll er sein, und auch klug. Kennt sich aus mit Bundesimmobilien. Aber kann Kahl auch Geheimdienste? Ein Porträt des neuen BND-Chefs.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Bruno Kahl ist immer noch mehr oder weniger ein Phantom. Zwar ist jetzt schon seit zwei Monaten klar, dass er Gerhard Schindler an der BND-Spitze ablöst, aber dennoch weiß man noch sehr wenig über ihn. Kahl selbst hat sich ein Schweigegelübde auferlegt: Vor dem Start im BND keine öffentlichen Auftritte, keine Interviews. Sogar ein Geheimdienstexperte wie Uli Grötsch von der SPD, der im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste (PKGr) sitzt, kann wenig über den Neuen sagen: „Er war auch noch nicht im PKGr und hat sich vorgestellt, aber er wird natürlich im PKGr sein, sobald er sein Amt angetreten hat und dann werden wir uns kennenlernen.“

Der Mann redet wenig

Das sind Bruno Kahls Eckdaten: 53 Jahre alt, geboren in Essen, Jurist, zog nach dem frühen Tod seiner Frau zwei Töchter alleine groß, hat seit 20 Jahren hochkarätige Jobs im Hauptstadt-Politikbetrieb inne, zuletzt als Abteilungsleiter im Finanzministerium, arbeitete bisher aber weitgehend hinter den Kulissen. Deshalb war es auch fast unmöglich, den Mann mal öffentlich reden zu hören – erst intensive Archiv-Recherche förderte diesen Satz zutage: „Der damalige Bundesinnenminister Schily hatte den US-Botschafter Coats auf dessen ausdrücklichen Wunsch strenge Vertraulichkeit zugesichert.“ Das ist Kahl 2005, damals Sprecher im Innenministerium.

Weil Kahl selbst aktuell aber nicht redet, müssen andere über ihn sprechen. Stefan Mayer zum Beispiel, einer der Geheimdienstexperten der Unionsfraktion: „Ich bin guter Hoffnung, dass wir mit Herrn Kahl einen sehr versierten, profunden und kompetenten Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes bekommen.“

Mit Immobilien kennt er sich aus, aber mit Geheimdiensten?

Kahl kennt sich bestens mit dem Thema Bundesimmobilien aus, das ist gut für den anstehenden Mammut-Umzug des BND von Pullach nach Berlin. Von Geheimdiensten hat der Mann, den die Bundesregierung als fleißigen und klugen politischen Kopf lobt, dagegen weniger Ahnung. Wie wird er den BND führen, wie wird er die gründliche Reform des Dienstes nach der NSA-Affäre umsetzen? Die Opposition hat klare Erwartungen: „Ein Kurswechsel ist lange überfällig. Herr Schindler hat mehr Transparenz versprochen und Herr Kahl muss dieses Versprechen einlösen“, sagt der Grüne Konstantin von Notz.

Im Hintergrundgespräch Ende April, bei dem der Mann mit dem grauen Bürstenhaarschnitt inoffiziell vorgestellt wurde, machte Kahl allerdings nicht den Eindruck, als habe er besonders viel Lust auf Öffentlichkeit, zumindest nicht auf die Medien und ihre kritischen Nachfragen. Da saß eher der Typ knapp und knarzig – das erinnerte ein bisschen an seinen Mentor, dem er seit Ewigkeiten Berater und rechte Hand ist: CDU-Grandseigneur Wolfgang Schäuble. Der beteuerte im April kurzangebunden: Er habe Bruno Kahl nicht auf den BND-Posten gehievt. „Ich schätze Herrn Kahl sehr. Ich war an der Entscheidung nicht beteiligt.“

Kahl ist ein ziemlich harter Hund, sagen manche in Berlin. Er ist anständig im Umgang, ein fairer Chef und sensibler Organisator, sagen andere. Spätestens am kommenden Mittwoch muss Kahl an die ungeliebte Öffentlichkeit – dann wird er im Kanzleramt offiziell in sein Amt eingeführt.

Der große Unbekannte: Bruno Kahl wird neuer BND-Chef
S. Müller, ARD Berlin
17:41:00 Uhr, 30.06.2016

Zuletzt aktualisiert: 20.08.2019, 20:49:59