Herausforderer in Win-Win-Situation

Gepostet am 25.09.2018 um 03:33 Uhr

Ralph Brinkhaus wünscht sich eine selbstbewusstere CDU-CSU-Fraktion. Deshalb fordert er Fraktionschef Kauder heraus, der ihn jahrelang förderte. Uwe Lueb über den neuen Kandidaten und seine Motive.

Ralph Brinkhaus wünscht sich eine selbstbewusstere CDU-CSU-Fraktion. Deshalb fordert er Fraktionschef Kauder heraus, der ihn jahrelang förderte. Ein Porträt.

Von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

Ralph Brinkhaus sagt, er habe nichts gegen Volker Kauder, den jetzigen Vorsitzenden und Konkurrenten. Man habe immer gut zusammengearbeitet, beteuert Brinkhaus in allen Interviews: “Es ist ja jetzt keine Kandidatur gegen Volker Kauder”, sagt Brinkhaus. “Ich habe überhaupt keinen Anlass, irgendetwas Negatives über ihn zu sagen, im Gegenteil.”

Von Kauder gefördert

Tatsächlich hat Kauder Brinkhaus ja gefördert. Erst 2009 kam der zum ersten Mal für seinen Wahlkreis Gütersloh in den Bundestag. Unter den anderen Unionsabgeordneten machte sich der ausgebildete Steuerberater einen Namen als Finanzfachmann. Fünf Jahre später – da sind andere gerade mal Fachsprecher oder bestenfalls Ausschussvorsitzende – rückte Brinkhaus als einer der Stellvertreter Kauders in den Fraktionsvorstand auf.

Heute, noch mal vier Jahre später, steht für ihn der nächste Schritt an: “Ich glaube persönlich, dass es jetzt der Zeitpunkt ist – weil wir ja für die nächsten drei Jahre wählen – um neuen Schwung in die Fraktionsarbeit hineinzubringen.”

“Fraktion als Partner auf Augenhöhe positionieren”

“Neuer Schwung” – das klingt, als sei die Fraktion unter Kauder ermattet. Brinkhaus sagt so etwas natürlich nicht wörtlich. Aber wenn man ihm genau zuhört, versteht man: Die Unionsfraktion ist ihm nicht selbstbewusst genug. “Die Fraktion sollte gut mit der Bundesregierung zusammenarbeiten, aber eine Fraktion hat auch eine Eigenständigkeit”, sagt Brinkhaus. “Das ist die Erfahrung von 246 Abgeordneten aus den Wahlkreisen. Und diese Erfahrung muss entsprechend auch genutzt werden. Und so muss man eine Fraktion auch positionieren. Nicht gegen eine Bundesregierung, aber als Partner auf Augenhöhe.”

Im Klartext: Derzeit sieht er diese Augenhöhe nicht. Daraus könnte man eine Ansage an CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel ableiten. Denn Kauder ist ein treuer Gefolgsmann Merkels. Der Unmut in Teilen der Fraktion über sie könnte Brinkhaus also Stimmen bringen. Bisher ist er zwar nicht als einer ihrer Kritiker aufgefallen. In der Fraktion, sagen andere Abgeordnete über ihn, sei er aber immer klar in seinen Positionen. Dennoch: Gegen Merkel richte sich seine Kandidatur bestimmt nicht, versichert Brinkhaus. “Es ist ja so, dass wir alle gerne als starke, als selbstbewusste, als loyale Fraktion mit Angela Merkel weiter zusammenarbeiten möchten”, sagt er.

CSU-Spitze für Kauder

Merkel hat aber erneut Kauder als Fraktionschef vorgeschlagen. Seit 13 Jahren steht er eng an ihrer Seite. In Merkels Umfeld wird Brinkhaus’ Kandidatur entsprechend heruntergespielt, so wie von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer: “Das ist sehr stark von internen Fragen der Fraktionsarbeit geprägt und geht weniger um die Frage, wer von wem vorgeschlagen worden ist.”

Gleichwohl haben sich auch die CSU-Oberen Horst Seehofer und Alexander Dobrindt für Kauder ausgesprochen. Doch Brinkhaus preist sich geschickt auch CSU-Abgeordneten als wählbar an. “Ich bin kein Bayern-Fan, sondern Köln-Fan. Aber da muss man einfach den Hut vor ziehen, die haben das richtig Klasse gemacht in der Landespolitik.”

Vermutlich reicht es am Ende nicht für Brinkhaus. Ein Drittel der Stimmen trauen ihm Insider zu. Er selbst jedoch glaubt an seine Chance, die Wahl zu gewinnen. Für Brinkhaus ist es am Ende eine Win-Win-Situation. Entweder wird er jetzt neuer Vorsitzender oder er hat sich schon mal empfohlen für die nächste Wahl.

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2018, 17:06:15