Botschafter als Bodyguard: Die deutsche Außenpolitik riskiert viel in Venezuela

Gepostet am 07.03.2019 um 17:41 Uhr

Es ist ein riskantes diplomatisches Spiel, auf das sich Außenminister Maas in Venezuela eingelassen hat. Markus Sambale versteht nicht, warum sich die Bundesregierung so weit aus dem Fenster gelehnt hat. Ein Kommentar.

Deutschland hat sich in dem seit Wochen tobenden Machtkampf, 8.000 Kilometer von Berlin entfernt, erstaunlich deutlich positioniert – gegen den Autokraten Nicolas Maduro und für den Star der Opposition, Juan Guaido.

Deutschland kann keine Vermittlerrolle mehr einnehmen

Besonders bemerkenswert und ungewöhnlich war, dass Außenminister Maas den deutschen Botschafter zum Flughafen von Caracas geschickt hat. Er sollte dort – zusammen mit anderen ausländischen Diplomaten – für Guaidos Sicherheit bei dessen Wiedereinreise nach Venezuela sorgen. Was geklappt hat: Tatsächlich wurde Guaido nicht, wie befürchtet, von Maduro-treuen Kräften festgenommen, sondern er blieb unbehelligt. Vermutlich auch dank des deutschen Botschafters – der quasi die Rolle des Bodyguards für einen ausländischen Politiker übernahm und vor den Fernsehkameras Partei für ihn ergriff.

Dass die Maduro-Führung das als unfreundlichen Akt betrachtet und den deutschen Botschafter deshalb aus dem Land wirft, ist nicht überraschend. Deutschland musste wissen, dass damit die Gesprächskanäle zu Maduro endgültig gekappt sind. Dass Deutschland damit als Vermittler künftig ausscheidet. Und dass die Maduro-treue Polizei und Justiz eher nervöser wird.

Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas

Deutschlands Rolle insgesamt kann man zweifellos als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas bezeichnen. Sogar die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages haben deshalb Bedenken angemeldet.

Und es gibt ja auch gute Gründe für Deutschland sich zu positionieren: gegen Maduro – einen kriminellen Despoten, der sein eigenes Volk ausgebeutet hat. Und für Guaido, den Präsidenten der venezolanischen Nationalversammlung, der letzten demokratischen Institution im Land.

Deutschland hat sich weit aus dem Fenster gelehnt

Doch so sehr Guaido auch der Hoffnungsträger für ein freies Venezuela sein mag – die einfache Einteilung in „gut“ und „böse“ ist gefährlich. Vor allem aber ist völlig offen, ob Guaido den Machtkampf überhaupt gewinnt.

Niemand weiß derzeit, auf welche Seite sich die Armee in Venezuela am Ende stellt. Und niemand kann vorhersagen, ob die USA und Russland – die auch wirtschaftliche Interessen haben – nicht doch militärisch eingreifen. Die Sorge vor einem Bürgerkrieg in Venezuela bleibt.

Deutschland droht jetzt also, tiefer in diesen Konflikt gezogen zu werden. Es ist schwer zu verstehen, warum sich die Bundesregierung so weit aus dem Fenster gelehnt hat.

Ein Kommentar von Markus Sambale

Zuletzt aktualisiert: 16.06.2019, 18:41:50