Bosbach

Ein Katholik, der wie Luther klingt

Gepostet am 23.08.2016 um 13:51 Uhr

Es gibt Politiker, die haben keine herausgehobene Funktion – und trotzdem kennt sie jeder. Das hat dann oft damit zu tun, dass sie gut und pointiert reden. Wolfgang Bosbach ist so einer. Nächstes Jahr soll bei ihm Schluss sein mit der Politik. Schade, findet Alex Krämer.

Es gibt Politiker, die haben keine herausgehobene Funktion – und trotzdem kennt sie jeder. Das hat dann oft damit zu tun, dass sie gut und pointiert reden. Wolfgang Bosbach ist so einer. Nächstes Jahr soll bei ihm Schluss sein mit der Politik. Schade.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtbüro

Eine Nervensäge, sagen die einen – ein Querdenker die anderen. Beide meinen das Gleiche: Wolfgang Bosbach ist einer, der sich relativ wenig darum schert, was andere sagen, auch wenig darum, was seine Partei sagt. Zur CDU steht er, hadert aber auch immer wieder mit ihr. Seine Diagnose: Zu weit nach links gerückt. “Vielleicht gibt es in der CDU hier und da die Überlegung, die konservative Klientel müsse man nicht besonders ansprechen”, so Bosbach wieder und wieder. Aber: Diese Rechnung könne auch danebengehen. Und wenn er das Gefühl hat, das geht jetzt daneben, dann sagt Bosbach das.

Er wäre gern mal Innenminister geworden, wurde es aber nicht. Solche nicht erfüllten Karrierewünsche verschaffen innere Freiheit. Das Bild des unabhängigen Abgeordneten zelebriert Bosbach. Immer wieder übte er Kritik an der Euro-Rettungspolitik der Kanzlerin. So ausdauernd, dass der damalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla ihn vor Jahren mal angeblafft haben soll, er könne Bosbachs Fresse nicht mehr sehen.

Bosbach

Bosbach tritt nicht mehr an

Schon länger haderte Wolfgang Bosbach mit dem Kurs seiner Partei – jetzt hat der CDU-Abgeordnete angekündigt, im nächsten Jahr nicht mehr bei der Bundestagswahl anzutreten. | mehr

“Diesen Weg will ich nicht mitgehen”

Vergangenes Jahr dann sogar der Rückzug als Vorsitzender des Innenausschusses – im Streit um die Griechenland-Rettung. Begründung damals: “So wie in den letzten Monaten kann es nicht auf Dauer weitergehen. Und diesen Weg kann und will ich nicht mitgehen.”

Hier stehe ich, ich kann nicht anders: Bosbach ist katholisch, klingt aber öfter mal nach Luther. Er liebt die Auseinandersetzung – weil er plastisch formuliert, frei redet, reißen sich die Talkshows um ihn. Was er meint, kann er auch rüberbringen.

“Bei Sicherheitskontrollen am Flughafen klammern sich 80-jährige Dutt-Trägerinnen verzweifelt an ihre Shampoo-Flasche, und wir erklären ihnen, warum sie das Shampoo nicht mit an Bord nehmen dürfen”, schimpfte Bosbach mal. “Und auf der anderen Seite bringen wir es nicht auf die Naht, endlich abhörsicheren Digitalfunk einzuführen.” Die Oma mit der Shampoo-Flasche: So was bleibt hängen.

Tschüss, Wolfgang! Bosbach tritt nicht mehr an
A. Krämer, ARD Berlin
12:51:00 Uhr, 23.08.2016

“Bosbach, das sagst du besser nicht”

In der Flüchtlingspolitik wurde Bosbach erneut zu einem der schärfsten parteiinternen Kritiker Merkels. “So können wir nicht weitermachen”, sagte er schon früh. Er sei da hin- und hergerissen, habe durchaus Respekt für die Arbeit der Kanzlerin, halte die Flüchtlingspolitik für dringend korrekturbedürftig. “Und wenn man jetzt sagt, Bosbach, das sagst du besser nicht, wir dürfen gar nicht den Anschein erwecken, dass das kontrovers diskutiert wird: Dann sagen viele Leute, ich finde mich in der Union nicht mehr wieder, ich gehe zu den anderen.”

Für seinen nun angekündigten Rückzug im nächsten Jahr nennt Bosbach jetzt einerseits politische Gründe: Die Kurswechsel der CDU, man ahnt welche. Hinzu kommt Privates: Der 64-Jährige ist krebskrank. Er hat das schon vor Jahren öffentlich gemacht – und sagt, künftig hätten Gesundheit und Familie erste Priorität, nicht mehr die Politik. Der CDU aber wird Bosbach fehlen, als Querdenker – und auch als Nervensäge.

Zuletzt aktualisiert: 14.12.2017, 11:03:36