Boris Johnson: Entertainer und unverbesserlicher Träumer

Gepostet am 04.11.2016 um 17:47 Uhr

„Ich bin nicht ein Berliner, aber meine Frau wurde hier geboren!“ Mit diesem Satz versucht Boris Johnson, die Stimmung bei der Pressekonferenz mit Steinmeier aufzulockern. Lächeln müssen aber viele bei einem anderen Satz.

Was geht nur in diesem Wuschelkopf vor? Das mag sich auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fragen, als er seinen Amtskollegen Boris Johnson in Berlin empfängt. Da verkündet Johnson doch tatsächlich: Er sei sich sicher, dass sich die Brexit-Verhandlungen in eine Win-Win-Diskussion verwandeln werden. Na klar! Möchte man ihm da lachend entgegenrufen.

Win-Win für Boris Johnson heißt: Großbritannien sichert sich den Zugang zum europäischen Binnenmarkt und kann gleichzeitig die Zuwanderung nach Gutdünken begrenzen. Damit sind die restlichen EU-Mitgliedstaaten aber ganz und gar nicht einverstanden.

Johnson der Drückeberger

Steinmeier verzieht bei der Aussage keine Miene, bleibt professionell. Doch viel kann er seinem Amtskollegen nicht abgewinnen. Das wurde bereits direkt nach dem Referendum klar: Damals sprach Steinmeier von „verantwortungslosen Politikern“, die das Land erst in den Brexit gelockt und sich dann, als die Entscheidung feststand, „aus dem Staub gemacht haben“.

Johnson, der das populäre Gesicht der Leave-Kampagne schlechthin war, war abgetaucht. Das Amt des Premierministers? Kein Interesse mehr. Das Brexit-Schlamassel? Sollten ruhig andere ausbaden.

Doch als britischer Außenminister ist der Drückeberger wieder zurück auf die politische Bühne gekehrt und träumt nun öffentlich von einem erfolgreichen Brexit a là Johnson und von Win-Win-Gesprächen.

Der Brexit, die Titanic und der Erfolg

Doch vielleicht ist ein Versprecher des Briten vor wenigen Tagen doch wegweisender. Bei einer Preisverleihung bezeichnete Johnson den Brexit als „Titanic success“. Die Titanic sank 1912, nachdem sie einen Eisberg rammte. Damals träumten die Ingenieure auch von etwas Großem: einem unsinkbaren Schiff. Zugegeben „titanic“ steht im Englischen für gigantisch. Johnson wollte den Brexit als gigantischen Erfolg verkaufen, aber in Erinnerung bleibt eher eine gigantische Katastrophe.

Zuletzt aktualisiert: 16.09.2019, 17:03:37