Björn Höcke und die “erinnerungspolitische Wende”

Gepostet am 22.01.2017 um 16:39 Uhr

Der Chef der AfD-Thüringen, Björn Höcke, will eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. In diesem Zusammenhang bezeichnete er das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ – und erklärte hinterher, er sei missverstanden. Machen Sie sich selbst ein Bild. Hier Auszüge aus seiner Rede auf Einladung der Jungen Alternative – der Jugendorganisation der AfD – in Dresden  am 17.1.2017.

„Worauf Visionen gründen, und warum wir Deutschen unsere Visionskraft verloren haben, darauf möchte ich zum Abschluss meiner Rede hier und heute in Dresden noch einmal eingehen.

Die Bombardierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki. Mit der Bombardierung Dresden und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes als  uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der nach 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das auch fast geschafft. Deutsche Opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch deutsche Täter. Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern. Augenfällig wurde das wieder bei dem würdelosen Umgang mit den Opfern des Berliner Terroranschlags.

Der von Markus Mohr zu recht thematisierte Wiederaufbau der Frauenkirche war für uns Patrioten ein Hoffnungsschimmer dafür, dass es ihn doch noch gibt, diesen kleinen Funken deutschen Selbstbehauptungswillens. Aber, liebe Freunde, bis jetzt sind es nur Fassaden, die wiederentstanden sind. Bis jetzt ist unsere Geistesverfassung, unser Gemütszustand, immer noch der eines total besiegten Volkes.

Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von Euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben, wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. Und anstatt die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, mit den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben, Markus Mohr hat darauf hingewiesen, und sie namentlich stellenweise erwähnt und es war doch nur eine kleine Gruppe, die er hier mangels Zeit aufzählen konnte, vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt, liebe Freunde, und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird Geschichte, die deutsche Geschichte, mies und lächerlich gemacht. So kann es und so darf es nicht weitergehen.  So kann es, so darf es und so wird es nicht weitergehen, liebe Freunde. Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstauflösung. Die gibt es nicht. Im Gegenteil. Es gibt die moralische Pflicht, dieses Land, diese Kultur, seinen noch vorhandenen Wohlstand und seine noch vorhandene staatliche Wohlordnung an die kommende Generation weiterzugeben. Das ist unsere moralische Pflicht.

Wenn wir eine Zukunft haben wollen – und wir wollen diese Zukunft haben – und immer mehr Deutsche erkennen, dass auch sie eine Zukunft haben wollen, dann brauchen wir eine Vision. Eine Vision wird aber nur dann entstehen, wenn wir uns wieder selber finden. Wenn wir uns wieder selbst entdecken. Wir müssen wieder wir selbst werden. Selber haben werden wir uns nur, wenn wir wieder eine positive Beziehung zu unserer Geschichte aufbauen und schon Franz Josef Strauß bemerkte die Vergangenheitsbewältigung an als gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe die lähmt ein Volk. Liebe Freunde, Recht hatte er, der Franz Josef Strauß. Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß’ Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Wir brauchen so dringend wie niemals zuvor diese erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Liebe Freunde, wir brauchen keine toten Riten mehr in diesem Land, wir haben keine Zeit mehr, tote Riten zu exekutieren, wir brauchen keine hohlen Phrasen mehr in diesem Land, wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zuallererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt.“

Dem Thema “Vor dem Holocaust-Gedenktag: Wie steht es um die Erinnerungskultur?” widmen wir uns auch im “Bericht aus Berlin”, 22. Januar, 18.30 Uhr im Ersten oder im Livestream vom tagesschau24.

Zuletzt aktualisiert: 18.08.2017, 20:18:51