Bildungsrat: Der Klassenbeste will sich nicht reinreden lassen

Gepostet am 25.11.2019 um 12:55 Uhr

Ein Berliner Zentralabitur in Bayern hätte Markus Söder gar nicht zu befürchten gehabt. Trotzdem steigt sein Bundesland aus dem Nationalen Bildungsrat aus. Eine vertane Chance, kommentiert Kilian Pfeffer.

Mit einem Fingerschnipsen. So einfach kann man hart verhandelte, schriftlich vereinbarte und lang vorangetriebene Pläne über den Haufen werfen. Auch aus dem Koalitionsvertrag. Der Nationale Bildungsrat sei ein „unnützes Projekt“, urteilt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Und Susanne Eisenmann aus Baden-Württemberg unterstützt ihn: „ein komplett überflüssiges Gremium“. Damit ist der Bildungsrat wahrscheinlich mausetot. Söder, der Zerstörer.

Aber hätte der Rat wirklich eine Schwächung des zu Recht hochgelobten bayerischen Bildungssystems bewirkt? Schwer vorstellbar. Denn ein Berliner Zentralabitur, so wie es Söder überaus bedrohlich an die Wand gemalt hat, war ja überhaupt nicht geplant.

Man will sich nicht reinreden lassen

Geplant war eine bessere Vergleichbarkeit. Mehr Transparenz. Mehr Qualität. Mehr Austausch. Man wollte dafür sorgen, dass Kinder weniger Probleme haben, wenn sie von einem Bundesland in eine anderes ziehen. Woran übrigens viele Eltern Interesse haben. Man wollte Ziele formulieren, wie alle besser werden können. Ja, das interessiert den Klassenbesten Bayern natürlich weniger als die weniger erfolgreichen Bundesländer. Man will sich einfach nicht reinreden lassen.

Aber die CSU regiert nicht nur in Bayern, sondern auch im Bund. Ihr Vorsitzender Markus Söder sollte auch ein nationales Interesse haben. Mit der Bildungslandschaft und dem Föderalismuschaos sind in Deutschland viele unzufrieden. Das, was wir hier abliefern, sei schlecht, hat sogar die CDU Vorsitzende Kramp-Karrenbauer ihren Mitstreitern auf dem Parteitag am Wochenende sinngemäß zugerufen. Und wörtlich: „Es ist unsere Verantwortung endlich hier ordentlich zusammenzuarbeiten.“ Vielleicht hat Markus Söder da gerade weggehört.

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2019, 01:29:33