Berliner Notizen: „Wir schaffen das.“

Gepostet am 24.08.2019 um 16:30 Uhr

Es gibt so Zitate der Woche. Diesmal vielleicht von Boris Johnson, dem Polarisierer. Er hat uns allen den Brexit-Schlammassel mit eingebrockt. Ausgerechnet er sagt jetzt: „Wir schaffen das“. Da sind möglicherweise Zweifel angebracht, findet Uwe Jahn.

Schaffen die das? Die Frage geistert nicht erst seit Angelas Merkels Flüchtlingszitat durch das Regierungsviertel. Ausgerechnet der britische Premierminister Boris Johnson hat den berühmten drei Worten jetzt zu einem Comeback verholfen. Ob er es doch noch schafft, sein Land mit einem Abkommen aus der EU zu bringen?

„I believe that we can get one. We can do it. Wir schaffen das, I think is the phrase.“

Zumindest hat Johnson es geschafft, die Bundeskanzlerin korrekt zu zitieren. Während der Generalsekretär der Kanzlerinnenpartei CDU, Paul Ziemiak, es nicht ganz so gut schafft, die Politik vor den Landtagswahlen im Osten mit dem Liebesleben zu vergleichen:

„Wir machen Wahlkampf und Wahlkampf, das ist Flitterwochen für jeden engagierten Politiker.“

Wir wünschen Paul Ziemiak irgendwann einmal Flitterwochen, in denen er es schafft, jeden Wahlkampf ganz und gar zu vergessen. Jetzt aber steckt er mittendrin. Wie auch Christian Lindner von der FDP. Der will es über die 5-Prozent-Hürde schaffen:

„Meine Veranstaltungen sind jedenfalls voll, da wird gelacht, da wird applaudiert und ich glaube, dass ich den Nerv da nicht nur treffe, sondern die Gefühlslage vieler Menschen teile.“

Christian Lindner teilt Gefühlslagen. Das ist neu. Von Franziska Giffey, SPD, kennt man das schon eher. Die Familienministerin ist derzeit die einzige, die im Kandidatenrennen um den Parteivorsitz wirklich fehlt, weil die Aberkennung ihres Doktortitels droht. Aber:

„Ich bin ja nicht weg, ich bin ja da. Ja. Ich bin ja da. Gucken Sie mal!“

Franziska Giffey schafft es trotz allem irgendwie freundlich zu wirken. Da ist SPD-Finanzminister Olaf Scholz schon deutlich spröder. Er kandidiert für den Parteivorsitz, will jedoch nicht an alte Zeiten anknüpfen:

„So weit Sie mich an meine Zeit als junger Sozialdemokrat erinnern, als Juso, als Jungsozialist. So kann ich sagen, meine Haare werden nicht wieder wachsen. Das wird nicht passieren.“

Das schafft nämlich nicht mal Olaf Scholz. Mal sehen, ob er es schafft bis auf weiteres, mit dem Solidaritätszuschlag vor allem Reiche stärker in die Pflicht zu nehmen:

„Es ist ja nicht die Zeit für eine Steuersenkung für Leute, die 5 Millionen im Jahr verdienen. Ich glaube, da verstehen einige was falsch.“

Aber bestimmt nicht Hilde Mattheis und Dierk Hirschel. Die beiden vom linken Flügel versuchen SPD-Vorsitzende zu werden. Fragt sich wie sie das schaffen wollen.
Mattheis:

„Die einen, die drei Schritt vor, zwei zurück wollen. Wir wollen mindestens drei Schritt vor, weil klar ist: Diese Partei hat dieses Jahr diesen einen Schuss frei.“

Und da müssten die Sozialdemokraten tatsächlich endlich mal wieder ins Schwarze treffen. Bleibt die Frage: schaffen die das?

Zuletzt aktualisiert: 16.11.2019, 03:24:36