Berliner Notizen: Die üblichen Verdächtigen

Gepostet am 02.03.2019 um 14:52 Uhr

Es war eine Woche voller Hoch- und Tiefpunkte. Am Werk waren vor allem die üblichen Verdächtigen: zwei schräge Typen in Hanoi, ein Flieger, der nicht fliegt und Minister, die sich abmühen. Eine Kolumne von Uwe Jahn.

Bei der Arbeit schlägt man sich immer mit den üblichen Verdächtigen herum. So könnte man EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verstehen, der beim europäisch-arabischen Gipfel jede Menge einschlägige Bekannte getroffen hat und das folgendermaßen einordnete: „Wenn ich nur mit lupenreinen Demokraten reden würde, dann wäre ich ja Dienstag schon mit meiner Woche ans Ende gekommen. Nein, wir müssen mit allen reden, aber man muss offen reden, ohne dass man das Thema Menschenrechte überhöht, aber man darf es auch nicht unterbeleuchtet lassen.“

So wie beim Gipfel von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Da kam zwar keine Einigung zustande, aber wenigstens hatten diese beiden üblichen Verdächtigen die Aufmerksamkeit der Welt und Trump sendete einschlägige Signale an Kim: „I think that you will a have a tremendous future with your country (you are) a great Leader.“!

Erfolgserlebnisse lassen auf sich warten

Eine großartige Zukunft für das Land unter einem großen Führer. So etwas sagt Trump sonst eigentlich über sich selbst. Ganz anders der Ton der Bundeskanzlerin. Erst neulich beim Mobilfunkgipfel vor den üblichen Verdächtigen, die den trostlosen Zustand des deutschen Handynetzes zu verantworten haben. Es geht ihr um den digitalen Bürger und sein Nutzerkonto bei Vater Staat: „Wie denn nun der eigentliche Zugang des Bürgers zu diesem Konto erfolgt. Er muss natürlich so sein, dass ich nicht links noch ein Gerätchen und rechts noch ein Gerätchen in der Tasche haben muss, sondern dass das einfach geht.“

Je größer die Geräte, desto größer der Ärger für die Bundesregierung. Auch hier wieder übliche Verdächtige, nämlich die Gorch Fock, die nicht schwimmt. Regierungsflieger, die nicht fliegen. Und die Bahn lässt sowieso auf sich warten. So wie die Erfolgserlebnisse einiger Minister. Umweltministerin Svenja Schulze, SPD, zum Beispiel hat gerade beim Runden Tisch Plastikmüll erfolgreich eine Problemlösung vertagt: „Wir haben das Ziel, dass wir im Herbst ihnen eine konkrete Vereinbarung vorstellen können auf freiwilliger Basis. Wir sehen aber jetzt schon, dass erste Punkte sehr deutlich sind und dass wir da große Gemeinsamkeiten haben.“

Die üblichen Verdächtigen

Große Gemeinsamkeiten sucht Verkehrsminister Andreas Scheuer, CSU, so hieß es bisher, vor allem mit der Autoindustrie. Dabei hätte er vielleicht gern mal mit ganz anderen Leuten zu tun, als den üblichen Verdächtigen von VW, Audi und Mercedes: „Sagen Sie mir ihre internsten Wünsche und innersten Ideen, ich schaue mir das auch gern irgendwo in einem Keller oder einer Garage an“. ließ er verlauten.

Deutlich größer ist der Hotelsaal, in dem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zur Weltpresse spricht. Plötzlich klingelt sein Mobiltelefon. Er drückt den Anruf weg. Es klingelt noch einmal. Er geht ran, flüstert etwas und sagt: „It was the usual suspect – my Wife.“

Es war die übliche Verdächtige: die Ehefrau. Merke: Immer sind es die üblichen Verdächtigen. Nur haben wir sie uns im Privatleben wenigstens selbst ausgesucht.

Zuletzt aktualisiert: 19.06.2019, 13:49:04