Beim Grundeinkommen geht es vor allem um die Kinder

Gepostet am 29.03.2018 um 16:24 Uhr

Ob solidarisches Grundeinkommen oder Aufstockung des Hartz-IV-Satzes – für die Betroffenen macht es keinen Unterschied. Wichtig ist es, dass Strukturen aufgebrochen werden und die Vererbung von Hartz IV verhindert wird. Ein Kommentar von Jens Wiening.

Hinter den Kulissen von Arbeitsagentur und Politik hört man immer wieder die Einschätzung: Einen Teil der Langzeitarbeitslosen werde man nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt integrieren können. Diese Menschen habe man schlicht verloren. Öffentlich traut sich das nur niemand zu sagen.

Die Kinder von Langzeitarbeitslosen

Es ist wohl die traurige Realität. Doch das Problem geht viel tiefer: Hartz IV verfestigt sich in den betroffenen Familien. Sind Familien einmal gefangen in den Strukturen, ist es für die nachwachsende Generation schwer,  da wieder auszubrechen.

Deshalb geht es in der Debatte im Kern um etwas anderes: die Kinder von Langzeitarbeitslosen. Sie sollen einen Alltag erleben, in dem ihre Eltern wieder einen strukturierten Tag haben, täglich zur Arbeit gehen und Geld verdienen, für das sie gearbeitet haben. Das ist die eigentliche Aufgabe der Politik: Strukturen aufbrechen und die Vererbung von Hartz IV an die nächste Generation verhindern.

Ein geschenkter Arbeitsplatz kann der erster Schritt sein

Erstes Ziel der Politik muss es sein, Langzeitarbeitslose möglichst direkt in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Nur dort können Menschen die notwendige Bestätigung finden und eine vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erreichen. Einige werden diesen Weg nicht gehen können oder gehen wollen.

Wer sich komplett mit Hartz IV abgefunden und kein Bestreben hat, da wieder raus zu kommen, ist letztlich für die Politik verloren. Da kann kein Angebot helfen. Jeder hat nun mal auch eine Eigenverantwortung für sein Leben.

Andere brauchen eine Brücke. Zugegeben: Ein gemeinnütziger Job in einem künstlichen Arbeitsmarkt,  finanziert mit Steuergeld, ist am Ende des Tages auch nur ein geschenkter Arbeitsplatz. Für einige Langzeitarbeitslose und ihre Familien dürfte er trotzdem der einzige Weg und vielleicht der erste Schritt aus Ihrer Situation sein. Ob das dann solidarisches Grundeinkommen heißt oder ob die Politik den Hartz-IV-Satz aufstockt, spielt für die Betroffenen kaum eine Rolle.

Wichtig ist es, Strukturen aufzubrechen und die Vererbung von Hartz IV zu verhindern. Die Kinder sind diejenigen, die im eigentlichen Mittelpunkt der Diskussion stehen.

Zuletzt aktualisiert: 13.12.2019, 12:38:34