“Bauernregeln” empören Landwirtschaftsministerium

Gepostet am 06.02.2017 um 17:51 Uhr

Hat das Umweltministerium die deutschen Landwirte gedisst? Das zumindest findet das Landwirtschaftsministerium und bricht einen bizarren Reime-Battle vom Zaun. Moritz Rödle hat sich das mal angehört.

Das Umweltministerium wollte eine gesellschaftliche Debatte über die Tierschutz- und Umweltprobleme in Teilen der Landwirtschaft anfangen. Eine PR-Agentur hatte dafür elf neue Bauernregeln ersonnen.

Über die dichterische Qualität der Schöpfung lässt sich sicherlich streiten. Auf den Plakaten stehen Sätze wie: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Oder: „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“

Der CSU-Landwirtschaftsminister Schmidt ist empört. Aber nicht wegen der zweifelhaften Reimqualität. Er sieht durch die PR-Aktion den ganzen Berufsstand des Landwirts diffamiert. Die SPD-Kollegin solle die Kampagne sofort beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern entschuldigen, lässt er die Öffentlichkeit wissen.

Hendricks aber denkt gar nicht daran. Stattdessen schreibt sie Schmidt einen gepfefferten Brief zurück. Der Minister betreibe eine bewusste Fehldeutung der Aktion. Der inhaltliche Kern der Kampagne werde nicht mal von den Kritikern angezweifelt, geschweige denn widerlegt.

Jahrelanger Streit

Doch trotz der unbestreitbaren Umweltbelastungen aus der Landwirtschaft, habe man in der fast abgelaufenen Legislaturperiode mit dem Landwirtschaftsministerium und der Union um jeden Millimeter Verbesserung ringen müssen. Die Ministerin macht deutlich: Hinter der scheinbar humorvollen Kampagne steckt ein jahrelanger Streit um schärfere Regeln.

Immerhin, der Konflikt sorgt für einen kreativen Schub in der Debatte. Der bayerische Landwirtschaftsminister Brunner schaltet sich ein, sogar in Reim-Form. Er dichtet mit Blick auf Hendricks: „Wer ständig gegen Bauern hetzt, wird hoffentlich recht bald ersetzt.“


Das klingt irgendwie nach Kindergarten. Da müsste sich doch die Erziehungsberechtigte einschalten – könnte man meinen. Doch der Regierungssprecher winkt ab. Das sei eine Diskussion, welche von den beiden Ressorts im vollen Bewusstsein der Bedeutung des Themas für die deutsche Landwirtschaft öffentlich geführt werde.

Rund 33 Wochen vor der Bundestagswahl hat der Wahlkampf wohl endgültig begonnen.

Zuletzt aktualisiert: 13.12.2017, 02:34:03