Nur ein Treffen reicht nicht

Gepostet am 15.01.2019 um 16:25 Uhr

Rapport um sieben Uhr in der Früh: Schon der Zeitpunkt, zu dem Verkehrsminister Scheuer Bahnchef Lutz einbestellt hatte, war unmissverständlich. Hinterher war klar: Die beiden müssen weiter reden. Von Alex Krämer.

Rapport um sieben Uhr in der Früh: Schon der Zeitpunkt, zu dem Verkehrsminister Scheuer Bahnchef Lutz einbestellt hatte, war unmissverständlich. Hinterher war klar: Die beiden müssen weiter reden.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Hoffentlich ist Richard Lutz Frühaufsteher. Die Zeit habe heute einfach nicht gereicht, sagt Verkehrsminister Andreas Scheuer, deshalb will er den Bahnchef dringend wieder sehen, schon diesen Donnerstag, zur selben Zeit. Da seien alle wach, sagt der Minister zuversichtlich, denn: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Und er äußert die Hoffnung, die Bahn biete dann „ganz konkrete Maßnahmen, die wir heute schon alle diskutiert haben“.

Bei dieser Diskussion ging es heute vor allem um Pünktlichkeit. Spürbare Verbesserungen erwarte er von der Bahn, sagt Scheuer, noch in diesem Halbjahr. Er lässt allerdings offen, was genau er mit spürbar meint.

Paradoxe Probleme

Die Bahn kämpft zum einen damit, dass lange zu wenig ins Netz investiert wurde. Das führt zu Störungen. Und – das klingt ein bisschen paradox – gleichzeitig kämpft sie damit, dass jetzt viel investiert wird, Baustellen führen zu noch mehr Störungen.

Jetzt sollen Bau und Betrieb besser koordiniert werden, jeweils entlang längerer Streckenabschnitte. Dort würden dann Mitarbeiter in einem „Riesen-Kontrollraum“ an „großen Kontrollbildschirmen“ die Strecke koordinieren, weiß der Minister, damit möglichst wenig Verspätungen entstehen – früher hätten sie „alle einzeln verteilt“ auf den Strecken gesessen.

Auf der völlig überlasteten Verbindung Dortmund-Köln hat die Bahn das ausprobiert, die Pünktlichkeit wurde besser. Deshalb soll es jetzt auf anderen überlasteten Abschnitten ähnlich laufen – rund um Hamburg zum Beispiel, zwischen Fulda und Mannheim oder Würzburg und Nürnberg.

Und mehr Geld ist auch unabdingbar

Klar ist aber: Über diese Sofortmaßnahmen hinaus braucht die Bahn schlicht und einfach mehr Geld, schon allein deshalb, weil sie mit den Gewerkschaften kräftige Gehaltserhöhungen vereinbart hat – schließlich will sie attraktiv sein für dringend benötigtes neues Personal. 

Da kommen wir noch drauf, sagt Scheuer, über die Finanzlinie werde noch zu reden sein. Er werde darüber mit den Haushaltspolitikern und dem Finanzministerium sprechen. Zunächst aber gehe es „um die konkrete Verbesserung hin zu einer Bürgerbahn mit ganz konkreten Maßnahmen“.

Nach Geldern wird gesucht

Grundsätzlich ist Scheuer offen, wenn es um Extra-Geld für die Bahn geht. Noch ist aber unklar, ob es aus dem Bundeshaushalt kommen soll oder aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen der Bahn oder aus beidem. Und: Über den vom Bahnchef gewünschten Konzernumbau wurde auch noch nicht gesprochen. Hier lautet die Diagnose: zu bürokratisch, zu viele Einzelbereiche, die alle ihr eigenes Ding machen.

Viel zu bereden also noch, ab Donnerstag um sieben – der Verkehrsclub Deutschland allerdings hält die Hoffnung, es könne sich ganz schnell ganz viel tun, für unrealistisch. Denn um langfristig pünktlicher zu werden, müsse die Bahn bauen, und solange jedoch gebaut werde, seien unpünktliche Züge unausweichlich.

Nächster Halt: Donnerstagmorgen – Scheuer und der Bahnchef
Alex Krämer, ARD Berlin
15:43:00 Uhr, 15.01.2019

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2019 um 12:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2019, 00:31:30