Aus Nostalgie Briefe schreiben wird nicht verboten

Gepostet am 02.08.2019 um 12:30 Uhr

Vielleicht kommt der Briefträger montags bald nicht mehr – weil am Wochenende besonders wenig verschickt wird. Der Brief stirbt. Endlich, findet Marcel Heberlein. Ein Kommentar.

Das Wirtschaftsministerium überlegt, die Anforderungen für die Post zu senken. Fünf Brief-Tage pro Woche statt sechs. Auch das Europarecht spricht nur von mindestens fünf. Deutschland hängt am Brief und tut damit mehr als es müsste.

Die wirtschaftliche Realität aber ist eine andere geworden. Es lohnt sich einfach nicht mehr für die Post, so oft Briefe zuzustellen wie früher. Pakete boomen, aber Briefe schreibt kaum noch einer. E-Mails, Whatsapp, Telegram, Instagram – das geht viel schneller, kostet nichts extra, der Aufwand ist klein. Ich muss kein Papier dafür kaufen und ich habe alle meine – wenn man so will – digitalen Briefe jederzeit dabei und kann sie mit einem Fingerdruck gleich nochmal an jemand anders schicken.

Digitalisierung frisst das Analoge. Und hier ist das gut so, vor allem für die Umwelt. Auf Arbeit werde ich immer noch zugebombt mit Papier-Einladungen für Events und mit Jahresberichten von Verbänden und Unternehmen. Zuhause liegt dauernd Werbung im Kasten, am besten noch in Plastik eingeschweißt. Warum? Was für eine sinnlose Ressourcen-Verschwendung! Und wie viel Porto dafür draufgeht!

Digitalisierung der Verwaltung

Fünf Tage Post pro Woche statt sechs. Das ist wahrscheinlich nur der Anfang. Wie die Zukunft aussieht, zeigt Dänemark. Nur noch ein Mal pro Woche kommt da der Briefträger. Weil alles digital verschickt wird, digitale Behördenbriefe sind sogar Pflicht. So weit könnten wir auch schon sein, wenn die Bundesregierung die Digitalisierung der Verwaltung nicht so wahnsinnig verpennt hätte.

Alles nur noch digital: „Wie schrecklich!“, werden einige jetzt sagen. Ältere Menschen werden abgehängt! Die Erfahrung aus Dänemark aber zeigt, dass das nicht so sein muss. Dort checken Ältere sogar besonders zuverlässig ihr digitales Postfach. Viel zuverlässiger als 16-Jährige, bei denen das Behördenmail-Postfach im digitalen Dauerbeschuss untergeht. Der Staat und durchdigitalisierte Enkel geben Starthilfe. Ein Generationenprojekt – davor muss man keine Angst haben.

Und aus Nostalgie einen guten alten Brief schreiben, das ist ja auch in Zukunft nicht verboten. Es wird nur sehr teuer. Die Umwelt freut sich. Und wir sollten uns mitfreuen.

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2019, 02:47:59