„Aufstehen“ wird am Ende sitzenbleiben

Gepostet am 04.09.2018 um 15:02 Uhr

Die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ ist eine Kopfgeburt. Und das ist nicht der einzige Grund, warum das Projekt dauerhaft keinen Erfolg haben wird. Ein Kommentar von Thomas Baumann.

Ja, Oskar Lafontaine & Co. haben recht: Der politischen Linken in Deutschland fehlt eine Machtoption. Daher ist das Kalkül der „Sammlungsbewegten“ nachvollziehbar: Druck machen auf alle Mitte-Links-Parteien, gemeinsame linke Positionen durchsetzen und der AfD das Wasser abgraben.

Klingt spannend. Aber: Dieses Projekt dürfte keinen Erfolg haben. Vor allem deshalb nicht, weil – gerade für politisch Linksorientierte – die Richtung nicht stimmt. Bewegungen kommen von unten. Diese so genannte Bewegung ist eine Kopfgeburt, kommt von oben. Gegenteilige Beteuerungen und auch gut 100.000 Online-Sympathisanten ändern daran wenig.

Die Zerrissenheit der Linken

„Aufstehen“ wird als Motto der Bewegung auf Dauer nicht reichen. Zumal: Zentrale sozial- und friedenspolitische Inhalte, mit denen die Bewegung punkten will, stehen längst im Programm der Partei „Die Linke“.

Vor allem gibt es kaum Anzeichen, dass diese Initiative die alte Krankheit der politischen Linken in Deutschland überwindet: ihre Zerrissenheit.

Wählerstimmen sind die Währung

Gerade die Hauptprotagonistin Sahra Wagenknecht muss sich fragen lassen, ob ihre Haltung zu Fragen der Migration zu national eingefärbt ist. Etwa wenn sie sich gegen ein Einwanderungsgesetz ausspricht und fordert: „Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden.“ Ist das noch links?

Und schließlich: Die Währung, in der ausbezahlt wird, sind am Ende Stimmen bei Wahlen. Niemand weiß, ob sich die Sammlungsbewegten bei SPD, Grünen oder der Linken wiederfinden und überhaupt wählen gehen. Meine Prognose: In einem Jahr werden wir wohl nicht sagen: „Aufgestanden“. Sondern: „Sitzengeblieben“.

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2019, 05:00:40