Spahn, der Vorschlaghammer

Gepostet am 20.07.2018 um 11:41 Uhr

Die Vorschläge von Jens Spahn machen viel Lärm, die Wirkung ist oft bescheiden. Die Alleingänge des Gesundheitsminister bringen nichts, stattdessen könnte er sich abstimmen und einen großen Wurf hinlegen, findet Peter Knetsch.

Wenn man die Bundesregierung als großen Werkzeugkasten betrachtet, dann ist Jens Spahn der Vorschlaghammer. Groß, kantig, robust, bereit auch mal rustikal, um eine Wand im Alleingang einzureißen. Manchmal auch ohne zu wissen, was hinter der Wand ist.

Sein neuester Vorschlag, mehr Geld für offene Sprechstunden in die Hand zu nehmen, ist ja im Prinzip okay. Haben alle was davon: Patienten mehr Sprechstunden – Ärzte mehr Geld – in der Theorie. Ich frage mich allerdings: Sind Ärzte wirklich so unterbeschäftigt, dass sie sich für ein paar Euro mehr, fünf Stunden extra hinstellen. Eher nicht!

Viel Lärm, aber geringe Wirkung

Aber so ist er halt als Vorschlaghammer. Gewaltig draufschlagen, macht viel Lärm, aber die Wirkung ist oft bescheiden, weil die Wand dicker ist als gedacht. Spahns Lieblingswand ist ja der Pflegenotstand. Und die versucht er fast täglich mit wuchtigen und vor allem luftigen Schlägen zu perforieren. Leistungen wie ‘alten Menschen vorlesen und mit ihnen Spazieren gehen’ sollen mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden können. Toll. Aber wie genau das funktionieren soll, ist völlig unklar.

Oder: Spahn fordert eine bessere Bezahlung für die Pflegekräfte, bis zu 3.000 Euro sollen es sein. Da hat er übersehen, dass diese Gehälter in der Krankenpflege nix Unnormales sind, das Problem ist die Altenpflege – hier ist die Bezahlung bezogen auf die Belastung unterirdisch. Aber Hauptsache mal vorgeschlagen und gefordert.

Ideen zu Ende denken

Das gleiche gilt für sein Versprechen, 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege zu schaffen ein – wie Spahn sagt – “Sofortprogramm”. Woher sollen diese 13.000 aber “sofort” kommen? Spahn hat da zwar so grob das Kosovo und Albanien im Auge, aber genau das ist das Problem: Grob, unpräzise, einfach mal vorgeschlagen.

Fakt ist: Die Wand “Pflegenotstand” ist viel zu dick als das Jens Spahn sie im Alleingang poröser machen könnte. Und das sollte er auch nicht, denn schließlich wollen Gesundheitsministerium, Arbeits- und Familienministerium gemeinsam den großen Wurf hinlegen. In einem Jahr soll ein ganzes Maßnahmenbündel vorliegen. Warum also nicht einfach mal die Füße still halten, Ideen zu Ende denken, dann den großen Presslufthammer rausholen – und liefern.

Autor: Peter Knetsch

Zuletzt aktualisiert: 20.08.2018, 01:22:52