Hat sich die Strategie der CSU in Bayern ausgezahlt?

Gepostet am 19.07.2018 um 15:36 Uhr

Noch nie war die Zustimmung für die CSU in Bayern so gering. Lautstärke und verbale Skrupellosigkeit führen also nicht zu einer wunderbaren Vermehrung der Wählerstimmen. Dass dies der CSU nun auch mit Prozentzahlen präsentiert wird, ist wichtig. Ein Kommentar von Peter Weitzmann.

“Gott mit Dir, Du Land der Bayern.” Diesen Segenswunsch aus der Hymne des Freistaats, heute zitiere ich ihn mit ehrlicher Erleichterung.

Nach all den Wochen des Politkrawalls, der Regierungsbeschädigung und der verbalen Ausfälle durch die Granden der CSU zeigen ausreichend viele Befragte in der jüngsten Wahlumfrage des Bayerischen Rundfunks was sie davon halten. Und dass sie ganz offenbar nichts davon halten, sich eher davon abgestoßen fühlen, das ist eine gute Nachricht weit über Bayern hinaus.

Die Grenzen des Sagbaren sind verschoben worden

Das Ausmaß an Aggression und Unversöhnlichkeit das zuletzt – eben nicht mehr nur von der AfD – an den Tag gelegt wurde, hat das Fundament unseres Gemeinwesens immer mehr angegriffen. Schritt für Schritt sind die Grenzen des Sagbaren verschoben worden. Die Kluft in Politik und Gesellschaft ist so groß geworden, dass sie mitunter kaum noch überbrückbar scheint.

Kompromissfähigkeit, gegenseitige Achtung, die Fähigkeit sich selbst dort Grenzen der Sprache und Handelns zu setzen, wo es an die Würde anderer geht. Das alles muss Teil unseres Umgangs miteinander sein. Nicht nur, aber auch in der Politik. Und dass das in den letzten Monaten gerade dort so oft vergessen wurde, scheint nicht gut anzukommen.

Problemlösungen statt Machtspiele

Auch weitere Umfragen der jüngsten Zeit machen deutlich, dass es vielen Bürgern lieber wäre, wenn politische Entscheider Energie und Zeit für Problemlösungen einsetzen würden, statt für Machtspielchen und Hahnenkämpfe. So kann man die begründete Hoffnung haben, dass Lautstärke und verbale Skrupellosigkeit auf Dauer eben nicht zu einer wunderbaren Vermehrung der Wählerstimmen führen.

Gerade konservativ gesinnte Menschen schätzen Werte wie Anstand und Ordnung, keine Verbalinjurien und Politchaos. Dass dies der CSU nun auch mit Prozentzahlen präsentiert wird, ist wichtig. Denn solche Umfragen sind drei Monate vor der Landtagswahl die Währung, die gilt. Bayerns Ministerpräsident Söder schiebt die Schuld jetzt denn auch schnell zum Parteichef Seehofer nach Berlin, gibt sich selbst möglichst unbeteiligt und vor allem hat er schon in den letzten Tagen verbal abgerüstet.

Vielleicht rücken Rationalität und politische Problemlösungskompetenz auch dank der Umfragen nun tatsächlich wieder nach vorne. In Bayern und womöglich auch darüber hinaus. Das wäre Segen für das Land.

Deshalb – und weil ich aus einem Landstrich komme, der vor 100 Jahren auch mal zu Bayern gehört hat – erlaube ich mir ein herzliches “Vergelt‘s Gott, liebe Bayern”.

Von Peter Weitzmann

Zuletzt aktualisiert: 18.08.2018, 02:34:02