Die FDP entdeckt die Frauenquote

Gepostet am 16.04.2018 um 16:18 Uhr

Bei einer Präsidiumssitzung haben die Liberalen heute ein Papier verabschiedet, mit dem eine Frauenquote vielleicht Realität wird. Nicht in der Gesellschaft, aber in der eigenen Partei. Was ist da los? Marcel Heberlein berichtet.

Jetzt wills auch die FDP selber nicht mehr leugnen. Ja, sie hat ein Frauenproblem. Frauen fehlen, auf allen Ebenen. Oder wie Generalsekretärin Nicola Beer das ausdrückt:

“Für uns ist ganz klar, dass wir da noch Luft nach oben haben.”

Sehr viel Luft. Nur gut ein Fünftel aller Parteimitglieder sind Frauen. Die Machtzentren der Partei werden von Männern beherrscht, allen voran von Parteichef Christian Lindner. Im Bundestag ist nur die AfD noch männlicher vertreten. Liberale Werte? Gleichberechtigung? Generalsekretärin Beer bemüht sich, das Problem positiv rüberzubringen. Die Partei wolle was tun:

“Weil wir uns einig sind, dass wir sehr viele Chancen hätten, mehr Chancen hätten, wenn wir mehr Frauen dafür begeistern können, sich politisch bei uns zu engagieren, haben wir heute als Präsidium noch einmal beschlossen, eben eine Arbeitsgruppe einzusetzen.”

Ein ganzes Bündel an Maßnahmen will die Arbeitsgruppe jetzt darauf prüfen, ob sie was bringen – damit mehr Frauen mitmachen und mehr Frauen FDP wählen. Viel haben die Liberalen schon ausprobiert, ein Mentoring-Programm zum Beispiel, gebracht hats wenig. Deshalb denken die Liberalen jetzt sogar darüber nach, in der Partei das einzuführen, was für sie gesellschaftspolitisch bisher Teufelszeug war. Eine Frauenquote.

“Ich möchte nicht die Quotenfrau sein” sagt Gyde Jensen. Mit 28 Jahren ist sie die jüngste Frau im Bundestag, bekam gleich den Vorsitz im Ausschuss für Menschenrechte. Sie hats nach oben geschafft mit der FDP und in der FDP. Eine Quote mag sie nicht. Aber:

“Unser Motto war, denken wir neu. Und deswegen glaube ich, dass es auch bei uns ganz gesund ist, noch einmal darüber nachzudenken, inwieweit man bestimmte Mechanismen, die eine Quote dann mit sich bringt, auch für sich nutzen kann.”

Jensen könnte sich eine Quote vorstellen, als Ultima Ratio, als letzten Ausweg – und nur auf Zeit, schränkt sie schnell ein. Bis es soweit kommt, wird es eh noch dauern. Bis zum Jahresende soll die Arbeitsgruppe Ergebnisse vorlegen. Frühestens Anfang 2019 wird die Quote kommen.

Warum gerade die FDP so einen Frauenmangel leidet, kann sich Jensen nicht so ganz erklären. Generalsekretärin Beer glaubt:

“Dass wir möglicherweise mit der Frage der Themenauswahl und einer doch nach wie vor von der Sprache her zu männlich geprägten Kommunikation noch Schwachpunkte haben. Die sollen schlicht bearbeitet werden.”

Schlechte Kommunikation? Alles nur ein Marketingproblem? Das böse Wort Frauenquote versucht die FDP jedenfalls zu vermeiden. Fallbeil-Quote nennt das Präsidium sie in seinem Beschluss. Ob das besser ist, auch darüber kann die FDP in den kommenden Monaten ja nochmal nachdenken.

 

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018, 03:14:10