Olaf Scholz holt sich einen Investmentbanker ins Haus

Gepostet am 20.03.2018 um 15:31 Uhr

Ist der Wechsel von Jörg Kukies aus der Privatwirtschaft ins Finanzministerium gefährlich oder doch ein sympathischer Zug? Alex Krämer wägt die Personalentscheidung von Olaf Scholz ab.

Es ist einfach eine super Schlagzeile: Investment-Banker wird Bankenaufseher. Der Mann hinter der Schlagzeile ist Jörg Kukies, 50 Jahre alt, bisher Deutschland-Chef der amerikanischen Investment-Bank Goldman Sachs – und ab sofort Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, zuständig für Europa- und Finanzmarktpolitik – und damit auch für die Bankenregulierung. Olaf Scholz verweist darauf, dass er Leute braucht, die sich auskennen:

“Es ist wichtig, dass wir die Arbeit der künftigen Bundesregierung, des Finanzministeriums mit vielen Fachleuten organisieren, die das gut machen werden. Und ich bin froh, dass ich da ein gutes Team zusammen bekommen habe.”

Gutes Zeichen oder gefährliche Verbindung?

Im Fall von Jörg Kukies heißt es aus Scholz Umgebung, der wisse eben Bescheid, verfüge über überragende Fachkenntnis und bringe eine andere Perspektive mit. Und dass ein Mann aus der Privatwirtschaft bereit sei, ins Ministerium zu wechseln, sei ein gutes Zeichen. Sowas werde ja immer gefordert, passiere aber fast nie. So die positive Lesart dieser Personalie. Linke und Grüne spotten dagegen, hier werde der Bock zum Gärtner gemacht, der Brandstifter zur Feuerwehr. Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht schießt scharf in Richtung Olaf Scholz. Sie sagt:

“Von Washington ist man das gewöhnt, dass die Investmentbank in der Regel den Finanzminister stellt. Das ist so. Die Wall Street regiert da. Dass das inzwischen auch in Deutschland Normalität werden soll – dass Goldman Sachs zumindest den Staatssekretär des Finanzministers stellt, ist bisher noch nicht so ganz Normalität. Wenn ein Finanzminister vor allem den Ehrgeiz hat, sich als Freund der Banker zu profilieren, dann kann das verdammt teuer werden.”

Kukies arbeitet seit fast 20 Jahren bei Goldman-Sachs, in leitenden Positionen. Das heißt: Er kennt sich nicht nur aus mit Banken, er kennt auch die Banker und weiß, wie die drauf sind. Ob das ein Nachteil ist – wie die Opposition meint, oder ein Vorteil, wie man ja auch meinen könnte, denn zu wissen, wie das Gegenüber tickt, ist in Verhandlungen ein Riesenvorteil – das muss die Zeit zeigen.

Ein langjähriger SPD-Mann

Vor seiner Karriere bei der Bank war Kukies jedenfalls auch politisch aktiv, als Juso-Chef in Rheinland-Pfalz sogar der Vorgänger von Andrea Nahles. Und Mitglied der SPD ist er bis heute – eher untypisch für einen Banker. Sicher ist jedenfalls, dass Kukies nicht des Geldes wegen wechselt: Ein beamteter Staatssekretär verdient knapp 14.000 Euro Grundgehalt im Monat – was Goldman Sachs gezahlt hat, ist nicht bekannt. Aber auf ein Vielfaches zu wetten, ist keine besonders waghalsige Spekulation.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2018, 18:54:43