Poggenburg muss gehen, aber der Rechtsdrall der AfD bleibt

Gepostet am 08.03.2018 um 13:49 Uhr

Einer der schlimmsten rhetorischen Brandstifter der AfD muss gehen. Am zunehmenden Rechtsdrall der Partei – vor allem im Osten – ändert das aber nichts. Dagmar Pepping kommentiert.

André Poggenburg ist ein Wiederholungstäter. „Deutschland den Deutschen“ schrieb er 2017 in einer Chatgruppe der AfD Sachsen-Anhalt. Ein typischer NPD-Spruch. Nicht schlimm, findet Poggenburg. Wem solle das Land denn sonst gehören, fragt er dann treuherzig. In einer Landtagsrede verunglimpfte Poggenburg Studenten, die gegen die Veranstaltung einer AfD-nahen Hochschulgruppe demonstriert hatten, als „Wucherungen am Volkskörper“. Ein Begriff aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Dass der Höcke-Vertraute nun offenbar darüber stürzt, dass er türkisch-stämmige Menschen in Deutschland als „Kameltreiber“ und „Kümmelhändler“ beschimpft hat, ist überfällig. Das Fass war übergelaufen, selbst im sonst so rechten Landesverband Sachsen-Anhalt.

Das sprachliche Geschick fehlt

Zum Verhängnis wurden Poggenburg dabei aber nicht seine politischen Positionen. Auch nicht die interne Kritik an seinem Führungsstil oder an angeblicher Vetternwirtschaft, die zuletzt immer lauter wurde. Zum Verhängnis wurde ihm sein schlichter bis primitiver Ton. Dem treuen Knappen von Björn Höcke fehlte einfach das sprachliche Geschick seines Parteifreundes. Bestes Beispiel: Als Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnete, behauptete er anschließend, er habe mit Schande den Holocaust gemeint – nicht das Mahnmal. Perfide, aber geschickt argumentiert. Poggenburg hätte das nicht hingekriegt. Er musste gehen, bevor er noch mehr bürgerliche Wähler abschreckt. Nichts soll die AfD auf ihrem Weg zur Volkspartei im Osten aufhalten. Dennoch: Teile der Partei sind auf dem Wege, bald vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Da hat der geschäftsführende Justizminister Maas völlig recht.

Lippenbekenntnisse aus dem AfD-Bundesvorstand

Die Reaktionen aus dem AfD-Bundesvorstand auf den Rücktritt Poggenburgs als AfD-Landesvorsitzender und Fraktionschef in Sachsen-Anhalt sind geradezu peinlich. Diese „gute und weise Entscheidung“ zeige, dass die AfD „erwachsen geworden“ sei, sagt beispielsweise Parteivize Gottschalk. Der Vorstand hatte Poggenburg nach dessen Aschermittwochs-Entgleisungen lediglich eine Abmahnung erteilt, mehr nicht. Wäre die AfD tatsächlich erwachsen geworden und daran interessiert, eine bürgerlich-konservative Politik zu machen, müsste sie Repräsentanten wie Poggenburg und Höcke hochkannt aus der Partei schmeißen. Und den Bundestagsabgeordneten Jens Maier gleich hinterher. Maier hatte den Sohn von Boris Becker auf Twitter als „Halbneger“ bezeichnet. Dass alle Drei noch in der AfD bleiben dürfen, sagt mehr als tausend Worte.

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2019, 17:03:22