Das Saarland macht Karrieren

Gepostet am 02.03.2018 um 17:15 Uhr

An Politikern aus dem Saarland geht einfach kein Weg vorbei. Im Osten war es Erich Honecker, heutzutage finden sie sich in den Parteispitzen und Ministerien der Bundesrepublik. Eine Kolumne von Uwe Jahn.

„Großes entsteht immer im Kleinen.“ Mit diesen Worten macht das Saarland seit 2014 Reklame für Land und Leute. Sie könnten auch für die politischen Karrieren gelten, die dort ihren Anfang nehmen. Was die außer ihrer Herkunft miteinander verbindet? Schwer zu sagen. Denn als erstes fällt auf, wie verschieden die allseits bekannten Politiker aus dem Saarland sind.

Fangen wir mit Oskar Lafontaine von der Linken an. Seine Rolle ist ungefähr die des Stinkstiefels der Republik. Er ist bis heute auf seine ehemalige politische Heimat, die SPD, böse. Und wirft ihr vor, ihre sozialpolitischen Grundsätze aufgegeben zu haben:

„Ich bin aus der Partei ausgetreten, aber im Programm geblieben. Ihr seid aus dem Programm ausgetreten, aber in der Partei geblieben.“

Damit zielt er unter anderem auf den Saarländer Heiko Maas. Der ist weniger Raufbold als vielmehr so eine Art Musterschüler am Kabinettstisch. Der amtierende Justizminister hat allerdings über seine Partei, die SPD, gegenwärtig auch weniger Gutes zusagen, als ihm lieb sein dürfte:

„Es ist ja völlig jenseitig zu behaupten, dass die SPD sich in den letzten Wochen besonders gut dargestellt hat.“

Klare Worte. Heiko Maas ist übrigens bei den Rechten besonders unbeliebt, weil er sie zurückbeschimpft. Da ist Peter Altmaier, CDU, von ganz anderer Statur. Gemütlich, jovial, verständnisvoll. Er bringt alle an einen Tisch und gilt als Problemlöser. Gegenwärtig ist er auch geschäftsführender Finanzminister und kann als so eine Art guter Onkel der Republik Nachrichten verbreiten wie diese:

„Die Lage ist gut, sie hat sich ein Stück weit auch verbessert, aber die Bäume wachsen auch in den nächsten Jahren nicht in den Himmel.“

Nicht in den Himmel wuchs schließlich auch die Karriere der Saarländerin Simone Peter. Sie war Bundesvorsitzende der Grünen und ist schließlich nicht wieder angetreten. Irgendwie erinnert sie an die kompetente und auch nette Schwester oder Tante. Nur vom Stuhl hat sie halt niemanden gerissen.

„Die Klimakrise, die trifft uns immer häufiger und heftiger. Der digitale Wandel, die Globalisierung, die preschen teils ungezügelt voran.“

Ungezügelt voran prescht gegenwärtig Annegret Kramp-Karrenbauer und lässt viele in ihrer Partei, der CDU, hinter sich. Eben noch Ministerpräsidentin des kleinen Saarlands, jetzt schon Generalsekretärin der großen CDU. Sie hat sich von der unscheinbaren Nachwuchspolitikerin zur rhetorischen Begabung entwickelt und mit einer denkwürdigen Rede den CDU-Parteitag für sich begeistert:

„Da genügt es nicht mehr zu sagen: derjenige müsste oder diejenige sollte. Sondern dann muss man selbst die Antwort darauf geben und die kann dann nur lauten: Ich kann, ich will und ich werde – und deshalb stelle ich mich gern in den Dienst der Partei.“

Ob Annegret Kramp-Karrenbauer den Höhepunkt ihrer Karriere noch vor sich hat und den Laden mal übernimmt, oder ob sie ein Talent bleibt, also eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt, darüber wird viel spekuliert. Vielleicht hat ihr, wie vielen anderen aus dem Saarland, bis hierhin geholfen, dass ihr Landesverband klein ist und man so auf der bundespolitischen Bühne besser wahrgenommen wird. Aber das müsste eigentlich für Bremen oder Sachsen-Anhalt genauso funktionieren. Tut es aber nicht. So mag es vielleicht stimmen, dass Großes im Kleinen entsteht. Aber im Kleinen entsteht eben nicht immer Großes.

Zuletzt aktualisiert: 21.10.2019, 12:35:07