Wie funktioniert das Beschaffungssystem der Bundeswehr?

Gepostet am 19.02.2018 um 13:38 Uhr

Die Bundeswehr ist wegen angeblicher Ausrüstungsmängel in die Schlagzeilen geraten. Fehlt es an Schutzwesten, Winterkleidung und Zelten? Cecilia Reible hat sich den komplexen Beschaffungsvorgang für Material bei der Bundeswehr genauer angesehen.

Ob Schutzweste, Zelt oder Panzer – immer wenn die Bundeswehr neues Material braucht, ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz beteiligt. Hauptaufgabe der Behörde ist die Ausstattung der Bundeswehr mit allem, was sie braucht. Doch am Anfang steht die Frage: Was wird eigentlich genau gebraucht? Der Sprecher des Bundesamtes Dominik Wullers, erläutert das Vorgehen am Beispiel eines Panzers:

„Dann wird geprüft und gepant, was soll der Panzer alles können? Auf welchem Untergrund muss der Panzer fahren können? Wie weit muss das Ding fahren können?“

Wenn im Verteidigungsministerium diese Grundsatzentscheidungen getroffen worden sind, dann treten die Mitarbeiter des Beschaffungsamtes in Koblenz in Aktion.

„Man kann entweder etwas komplett neu entwickeln lassen, sprich jemand setzt sich ans Reißbrett und entwickelt einen komplett neuen Panzer. Man kann aber vielleicht auch den Panzer, den man noch hat, modernisieren, sodass er das erfüllt, was das Heer möchte oder man kann das, was schon verfügbar ist und genau unseren Anforderungen entspricht, kaufen.“

Beschaffung kann sich hinziehen

Natürlich geht es nicht einfach so, die Bundeswehr muss ihre Aufträge ausschreiben und sich ans Vergaberecht halten. Deshalb kann sich die Beschaffung von neuen Panzern jahrelang hinziehen. Manche Bestellungen können aber auch in deutlich kürzerer Zeit abgewickelt werden, etwa wenn es um Uniformteile geht.

Im Moment macht die Bundeswehr sozusagen Inventur, um ihre Ausrüstung zu überprüfen. Der Hintergrund: Im kommenden Jahr übernimmt sie die Führung bei der schnellen Eingreiftruppe der Nato VJTF. In diesem Zusammenhang sei den Prüfern aufgefallen, dass zum Beispiel eine bestimmte Art von Zelten bei der Bundeswehr nicht vorhanden ist, erklärt der Sprecher des Verteidigungsministeriums Jens Flosdorff.

„Hier geht es nicht um normale Zelte, die sie von der Bundeswehr so kennen, sondern besonders auf VJTF zugeschnittene Exemplare, die besonders leicht auf- und abbaubar sind.“

Solche Zelte seien auf dem Markt verfügbar und schnell zu beschaffen, sagt Flosdorff. Ähnliches gelte für die benötigten Schutzwesten. Grundsätzlich aber sei die Bundeswehr nicht mit der generellen Einsatzbereitschaft in der Bundeswehr zufrieden, sagte Flosdorff. Sie habe gewaltige Lücken zu füllen.

„Unser Ziel ist, dass die Einheiten, die für solche Einsätze zur Verfügung stehen, dass die sowieso alles komplett vor Ort haben, das was sie brauchen. Da sind wir noch nicht, das braucht lange Zeit.“

Bis zum Jahr 2030 hofft die Bundeswehr, ihre Lücken aufgefüllt zu haben. Das Verteidigungsministerium hat dafür ein Investitionsprogramm über 130 Milliarden Euro aufgelegt.

Zuletzt aktualisiert: 02.12.2020, 00:45:01