Kommentar: Mut zu Jamaika!

Gepostet am 24.09.2017 um 23:30 Uhr

Die SPD ist krachend gescheitert, die Union hat ebenfalls Federn gelassen – eine neue Regierung zu bilden wird schwierig. Zumal sich die SPD auf die Opposition festgelegt hat, also nur noch Jamaika bleibt. Aber kann ein Schwarz-Gelb-Grünes Bündnis klappen? Angela Ulrich meint: Traut euch!

Alle Zeichen auf Jamaika? Nein, diese Vorstellung ist nicht lustig. Dass die Grünen sich wohl ein erbittertes Tauziehen mit der FDP liefern müssen, um nicht weichgespült zu werden beim Klimaschutz. Dass da auch noch ein erboster Horst Seehofer aus Bayern mitmischt. Dessen CSU abgestürzt ist, was er ziemlich deutlich seiner Erzfeindin, der Kanzlerin, und deren Flüchtlingspolitik anlastet. Also auch hier dicke Luft. Dazu noch ein FDP-Chef Lindner, der vor Kraft kaum laufen kann. Und daraus soll eine funktionsfähige Regierung erwachsen? Mit einer Kanzlerin, deren Stern auch nicht mehr besonders hell strahlt? Im Westen nicht, im Osten schon gar nicht. Schwierig also, sich ein schwarz-gelb-grünes Bündnis vorzustellen. Dass die ersten Regierungs- Klippen ja auch noch umschiffen sollte, die unter anderem die AfD so hoch wie möglich auftürmen wird.

Aber: Es gibt keine andere Chance, und deswegen hat Jamaika diese Chance verdient. Ein elendes Geschacher, oder gar Neuwahlen auf gar keinen Fall. Genauso wenig, wie ein Hilferuf an die SPD, oder an das, was von ihr noch übrig ist. Martin Schulz hat ganz recht, sich jetzt subito in die Opposition zurückzuziehen. Da wartet genug Arbeit auf ihn zum Beispiel tief in sich zu gehen, wie die Sozialdemokratie in Deutschland vor dem Untergang zu retten ist, den sie gerade in Frankreich erlebt. Dabei greift er die Kanzlerin so brutal an, als seien seine Sozialdemokraten nicht vier Jahre lang an einer ziemlich geräuschlosen Regierungsarbeit beteiligt gewesen. Merkwürdig, aber Schwamm drüber. Wer so waidwund ist, muss das vielleicht in übermässiger Kritik kompensieren.

Mehr wird von den Grünen und der FDP gefordert sein. Denn insgesamt braucht es im Bundestag einen neuen Stil und ein neues Denken. Einen demokratischen Konsens gegen die AfD. Mir ist kalt geworden, als ich Spitzenkandidat Alexander Gauland habe trompeten hören, man wolle Merkel jagen, jagen, jagen! Und sich das ?Volk zurückholen. Solche Töne erklingen nun im Bundestag. Dagegen braucht es wache Demokraten. Von Union, Grünen und Liberalen. Die als mögliche Regierung gute Konzepte bieten müssen. Auch von SPD und Linken, die als Opposition bessere Alternativen aufzeigen müssen als die selbsternannte Alternative. Hart in der Sache, respektvoll im Umgung. Also: Mut. Mut zu Jamaika!

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2017, 16:44:52