Es geht auch anders – Gabriels Plädoyer für die Diplomatie

Gepostet am 22.09.2017 um 16:35 Uhr

Der Ton in der UN-Generalversammlung hat sich verschäft. Auch deshalb fällt das Plädoyer des Bundesaußenministers Sigmar Gabriel für Diplomatie und ein gemeinsames Krisenmanagement so positiv auf. 

Es ist nur schwer auszuhalten, was in diesen Tagen in New York zu hören ist. Am Rande, aber auch in der UN-Generalversammlung. Es wird gepoltert, gedroht und attackiert, als gäbe es kein morgen. Und auch keine Vergangenheit, aus der man Lehren gezogen hat. Mittendrin Sigmar Gabriel. Einer, der auch poltern kann. Das hat er in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Auch als Außenminister nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er ist wesentlich direkter als sein Vorgänger Frank-Walter Steinmeier.

Insofern muss sich niemand wundern, dass Gabriel auch in New York Klartext gesprochen hat. Er hat aber es auf eine Art und Weise getan, die sich wohltuend unterschieden hat von vielen anderen Rednern. Es ist mit der Politik des amerikanischen Präsidenten hart ins Gericht gegangen. Hat klar gemacht, dass nationaler Egoismus, das Motto „unser Land zuerst“ Konfrontationen befördert. Und mitnichten zu mehr Wohlstand führt.

Ton hat sich verändert

Er hat Trumps Politik angegriffen. Hat – mit Blick auf das Iran-Atomabkommen-  an Verpflichtungen erinnert und Verantwortung eingefordert. Alles gut begründet.  Ohne aber persönlich zu werden. Zu beleidigen. Brücken abzubrechen. Er hat gezeigt, dass man klar Position beziehen kann – auch gegenüber Nordkorea -,  ohne gleich die nächste verbale Eskalationsstufe zu zünden.

Dass dies so viel Beachtung findet, so lobend hervorgehoben wird, zeigt auf erschreckende Weise, wie sehr sich der Ton innerhalb der internationalen Gemeinschaft verändert hat. Er ist härter, kriegerischer geworden. Wenn man sich denn überhaupt noch zuhört. Gabriel warnt zu Recht vor unversöhnlicher Rhetorik. Weil sie eben nicht ohne Folgen bleibt. Der Iran hat heute ein großes Aufrüstungsprogramm angekündigt. Nordkorea droht mit einem Wasserstoffbombentest über dem Pazifik.

Irgendwann kommt der Moment, an dem den konfrontativen Worten keine Verhandlungen mehr folgen, sondern tödliche Angriffe. Gabriels Rede war ein engagiertes, eindringliches Plädoyer für Diplomatie, für ein gemeinsames Krisen- und Konfliktmanagement. Für Verhandlungen. Für etwas, das unter Demokraten eigentlich selbstverständlich sein sollte. – Aber leider nicht mehr ist.

Korrespondentin

Christina Nagel

Christina Nagel
Hörfunkkorrespondentin

Der Bericht aus Berlin

ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 25.06.2019, 20:18:47