Kein TV-Duell ist auch keine Lösung

Gepostet am 05.09.2017 um 15:20 Uhr

Nach dem TV-Duell und dem Fünfkampf wird diskutiert, wie zeitgemäß und sinnvoll diese Formate sind. Für unseren Autor Daniel Bauer hat diese Debatte etwas von einem alten Woody-Allen-Witz.

Ich finde, die Diskussion über die TV-Duelle hat was von dem alten Woody-Allen-Witz: Sitzen zwei Rentner im Altenheim und jammern übers Essen. “Schmeckt ja widerlich”, sagt der eine. “Ja”, meckert der andere, “und dann immer diese kleinen Portionen.”

Wie gesagt, ein bisschen, wie bei den TV-Duellen. Alle, meckern, wie langweilig Merkel gegen Schulz war. Aber außer der Kanzlerin hätten fast alle gerne noch ein zweites gesehen! Ich finde ja, ein Duell reicht vollkommen aus! Aber dann bitte wie gestern der Fünfkampf mit den kleinen Parteien.

Absoluter Höhepunkt war die leider viel zu kurze Runde, bei der sich die Kandidaten gegenseitig befragt haben. Alleine der Blick von Alice Weidel zu Sahra Wagenknecht, als die Linke Fraktionschefin nach den  „Halbnazis“ in der AfD gefragt hat. Danach musste man erstmal mit dem Eisschaber den Bildschirm freikratzen. So stelle ich mir ein TV-Duell vor.

Niemand kann die Kanzlerin zwingen

Das Wort „Duell“ legt ja eigentlich auch nah, dass sich die Beteiligten dabei wenigstens anschauen. Leider ist das bei den aktuellen Formaten nur sehr begrenzt möglich. Man stelle sich nur mal vor, Angela Merkel und Martin Schulz hätten sich 90 Minuten gegenüber gesessen, und dem anderen abwechselnd die besten und vielleicht auch fiesesten Fragen gestellt, die sie sich vorher ausgedacht hätten.

Wäre bestimmt spannend geworden! Allerdings hält die Kanzlerin von solchen öffentlichen Streitgesprächen wenig, und niemand kann sie dazu zwingen. Aber alleine diese kurze Runde im Fünfkampf der kleinen Parteien macht mir Hoffnung, dass sich da vielleicht auch im großen Kanzlerkandidatenduell irgendwann was ändert. Dann brauch ich auch gar nicht mehr TV-Duelle. Ich will einfach mehr TV-Duell.

Zuletzt aktualisiert: 14.12.2017, 07:01:55