Erstmal die Füße still halten

Gepostet am 26.06.2017 um 15:40 Uhr

Die SPD schaltet auf Attacke, und die Union macht – nichts. Das ist auch richtig so, findet WDR-Korrespondentin Julia Barth in ihrem Kommentar. Denn noch haben CDU und CSU keinen Grund zur Panik.

Die SPD scharrt mit den Hufen und schaltet auf Attacke: Sie legt ein Konzept nach dem anderen vor, greift die Union bei jeder sich bietenden Gelegenheit an und macht ihren Anspruch aufs Kanzleramt seit Wochen für alle an vielen Stellen hör- und sichtbar. Das muss sie auch. Denn die Sozialdemokraten sind es, die für eben diesen Wechsel kämpfen, die aus schlechten Umfragewerten gute Wahlergebnisse machen müssen.

Und ja, die Union reagiert darauf wenig bis kaum. Sie setzt den Konzepten nichts konkretes entgegen, sondern guckt der SPD dabei zu, wie sie sich abstrampelt, während sie selber die Füße still hält. Doch das ist genau das richtige. Denn die Hektik, mit der die SPD in den Wahlkampf einsteigt und die Frontalangriffe auf die Kanzlerin, sind längst noch kein Grund, jetzt die Nerven zu verlieren.

CDU und CSU sind konsequent

CDU und CSU haben sich schon vor Monaten darauf geeinigt, Anfang Juli ihr gemeinsames Wahlprogramm vorzulegen. Dass sie auf die Renten-, Steuer- oder Gerechtigkeitsetappen der SPD nicht reagieren, sondern bei ihrem anvisierten Fahrplan bleiben, ist nur konsequent. Und der Vorwurf, dass Merkel ihrem Herausforderer nichts konkretes entgegen setzt, genau deshalb ungerechtfertig. Zumindest noch so lange, bis das Unions-Wahlprogramm steht.

Dann erst wissen wir, ob die Union sich wirklich verweigert, den Menschen ihre Sicht auf stabile Renten oder eine Anpassung des Steuersystems zu liefern. Dann ist immer noch Zeit genug, zu meckern, oder sich zumindest darüber zu streiten, wessen Ideen nun konkreter und erfolgversprechender sind. Und dann hat die Union immer noch zwölf Wochen, um den Wählern zu erklären, warum sie sich mehrheitlich auch ein viertes Mal für Angela Merkel entscheiden sollen.

Nicht über jedes Stöckchen springen

Zugegeben, das bloße “Sie kennen mich” wird der Union dieses Mal vermutlich nicht mehr reichen, das wissen sie bei CDU und CSU selber. Aber die Kanzlerin ist sowohl aus dem Schulz-Hype als auch aus der Flüchtlingskrise als auch aus dem ja zwischenzeitlich an Dramatik kaum zu überbietenden Streit mit der CSU ziemlich unbeschadet herausgekommen.

Mehr als die Hälfte der Deutschen würden sich für sie entscheiden, wenn sie den Kanzler direkt wählen könnten. Das sagt sogar die Mehrheit der Grünen-Anhänger und immerhin ein Drittel der Menschen, die mit der Linkspartei sympathisieren. Martin Schulz liegt dagegen weit abgeschlagen bei gerade mal 29 Prozent Zustimmung.

Angela Merkel muss sich jetzt also noch nicht aufreiben, muss nicht über jedes Stöckchen springen. Sie kann die SPD poltern lassen, währenddessen weiter ihre Politik machen, und im Zweifel darauf setzen, dass den Sozialdemokraten in diesem Wahlkampfmarathon irgendwann die Puste ausgeht. Im Moment hat die Union auf jeden Fall keinen Grund zur Panik.

Zuletzt aktualisiert: 14.12.2017, 21:41:47