Mehr Schmerzexperten für Deutschland?

Gepostet am 06.06.2017 um 15:50 Uhr

Zum bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz hat die Deutsche Schmerzgesellschaft Lücken in der Schmerzversorgung kritisiert. Sie drängt auf eine bessere Versorgung von Schmerz-Patienten in Krankenhäusern und Praxen.

Als Patient bleibt einem nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass man im Krankenhaus gut versorgt wird – dass auch alles gegen mögliche Schmerzen getan wird, zum Beispiel nach einer Operation. Aber offenbar kann man sich als Patient nicht darauf verlassen:

Leider ist es so, dass auch aktuelle Studien zeigen, dass nur rund die Hälfte der Kliniken ihren Akut-Schmerz-Dienst so geregelt hat, dass eine adäquate Behandlung wirklich sicher gestellt ist.

Das sagt der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Martin Schmelz. Und das bedeutet – in etwa der Hälfte der deutschen Klinken erleiden Patienten doch unnötige Schmerzen. Wobei der Professor betont, dass das nicht an der Unfähigkeit der Ärzte liegt, sondern am System. Nicht alle Kliniken haben Akut-Schmerz-Dienste, nicht alle haben genug Schmerzexperten. Deshalb fordert die Schmerzgesellschaft eine Art Leitplanke für alle Krankenhäuser:

Das bedeutet für uns, dass wir eigentlich ähnlich wie im Bereich der Hygiene einen „Schmerz-Indikator“ brauchen der zeigt, wie die Kliniken ihre Schmerzbehandlungen durchführen. Dass es  transparent ist, dass die Patienten sehen können in den Krankenhäusern, so passiert hier die Schmerztherapie, so ist die Qualität, die ist dann vergleichbar.

Situation auf den Intensivstationen

Besonders schwierig ist die Situation bei Menschen, die sich nicht äußern können – zum Beispiel Patienten auf der Intensivstation. Hier sind vor allem Pflegekräfte gefordert, erklärt Professor Christel Bienstein, die Präsidentin des Berufsverbandes für Pflegeberufe:

Viele Menschen, die dort auf den Intensivstationen sind, können zu sich selbst keine Aussage treffen, weil sie beatmet werden oder sediert sind. Und das heißt: Pflegende müssen sehr genau erkennen, ob dieser Patient nicht doch unter Schmerzen leidet und auch passend reagieren. Das Gleiche trifft auch auf Menschen mit Demenz zu, die zu sich selbst wenig sagen können, auch da muss erkannt werden, dass dieser Mensch eventuell Schmerzen hat. Wir kennen Fälle, wo Patienten mit gebrochenen Hüften wirklich noch gelaufen sind, wo es nicht erkannt wurde.

Hier müsste anders und besser geschult werden, sagt die Pflege-Expertin. Und, die Kommunikation zwischen den einzelnen Schnittstellen – Praxis, Krankenhaus, Apotheke – müsste besser werden. Davon würden auch chronisch Kranke profitieren.

Probleme bei der Versorgung

Denn auch bei ihrer Versorgung sieht die Deutsche Schmerzgesellschaft enorme Probleme. Und es sind viele: Jeder vierte Deutsche berichtet von häufigen Schmerzen, am häufigsten Rücken- oder Kopfschmerzen. Und der Verbandspräsident sagt, es dauert oft Jahre, bis Patienten den Weg zu einer guten Therapie finden:

Dort sehen wir, dass wir definitiv einen besseren Zugang zu den Schmerz-Spezialisten brauchen. Und wir müssen uns um den Nachwuchs kümmern. Dann brauchen wir die Verstärkung der Versorgungsforschung und damit ein Schmerzregister, was uns wirklich die erforderlichen Informationen liefert.

Ein besserer Zugang zu Schmerzspezialisten, Leitplanken für Krankenhäuser, mehr Forschung – das sind die Forderungen der Deutschen Schmerzgesellschaft, denn sie betont am Aktionstag gegen den Schmerz besonders laut: Jeder hat das Recht auf eine angemessene Schmerzlinderung.

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 12:46:16