Wechsel in der SPD – bekannte Gesichter, gemischte Gefühle

Gepostet am 30.05.2017 um 16:35 Uhr

Erwin Sellering tritt wegen einer Krebsdiagnose als Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern zurück. Das folgende Hin-und-her-Gerücke in der SPD zeigt, wie dünn ihre Personaldecke ist, meint Frank Wahlig.

Respekt für Erwin Sellering – Respekt auch für Martin Schulz. Beide haben rasch die notwendigen Schlüsse gezogen. Das wirkt souverän, verantwortungsvoll und entschlossen. Beide kann man verstehen – es geht nicht anders.

Schnell kommt die politische Klasse auf Betriebstemperatur zurück. Familienministerin Schwesig wird Nachfolgerin im Norden und die Linke buhlt bereits um den Politikwechsel im Land. Neue Landeschefin, neue Koalition. Wenn es denn so einfach wäre: Krankheitsbedingte Vorteile – das ist wirklich Geschmackssache.

In Berlin kürt Schulz diejenigen, die dazu anstanden oder noch übrig waren. Und es bleibt nicht mehr viel übrig. Die Personaldecke ist dünn. Auf die Bühne wird gestellt, was noch eine Rolle übernehmen und einen Text aufsagen kann. Es wird verwaltet in der SPD.

Die eine übernimmt für wenige Wochen ein Ministerium, der andere gibt den Aushilfsgeneralsekretär. Hubertus Heil muss in der Parteizentrale die Vorlagen seiner Vorgängerin übernehmen. Heil kennt das Verlieren. Ein fliegender Wechsel. Das als riskant zu beschreiben wäre eine Untertreibung.

Da fehlt Überzeugung

Die Texte von Barley und Heil sind kämpferisch – klingen aber wie aufgesagt. Da fehlt Überzeugung. Aber wo soll die auch herkommen? Vorgestern wussten alle Beteiligten nicht, was heute als souverän ausgegeben wird. Das Hin-und-her-Gerücke im politischen Betrieb zeigt, wie dünn die Personaldecke der SPD ist.

So geht die SPD in den Wahlkampf. Offene Flanken. Bekannte Gesichter. Das Publikum beschleicht gemischte Gefühle. Eine Chance für die SPD könnte das Warten auf die Wahl in vier Jahren sein. Manuela Schwesig ist immerhin ein Versprechen auf den Generationenwechsel.

Und nichts hat die SPD so nötig wie einen Wechsel – wenn auch erst in vier Jahren. Könnte Martin Schultz diesen Wechsel moderieren, hätte er Respekt verdient. Die Partei, die SPD, ist in diesem Fall wichtiger als der Traum vom Kanzleramt.

Zuletzt aktualisiert: 27.06.2017, 02:20:30