100 Tage Martin Schulz – Ups, wo ist er denn?

Gepostet am 04.05.2017 um 15:55 Uhr

Gibt’s den noch, den Schulz? 100 Tage ist er jetzt die SPD-Hoffnung, und nach Riesenkaracho zum Start in Januar ist es ruhig um Martin Schulz geworden. Ist der Schulz-Effekt verpufft? Nein, findet Angela Ulrich:

Ups? Wo ist er denn? Verdrückt? Verkrümelt? Untergetaucht? Diesen Eindruck haben viele, wenn es um Martin Schulz geht. Der SPD-Kanzlerkandidat, vor 100 Tagen eingeschlagen wie eine Bombe – ist er schon ausgelaugt? Frustriert und still, weil das “Schöner, Weiter, Höher” der SPD doch nicht so funktioniert? Selbst nicht mit einem wie ihm, der die Seelen streichelt, Emotionen weckt, ein Kümmerer der Nation?

Nach der Anfangseuphorie kommt die Realität

Klar, es ist etwas ruhiger geworden um den Mann aus Würselen. Die Anfangseuphorie der Medien ist verflogen. Und richtig: er kann auch nicht messiasgleich übers Wasser gehen, wie ihn die Junge Union beim 100-Prozent-Wahlparteitag am Spreeufer ja spöttisch aufgefordert hat. Aber wer das geglaubt hat, der wird halt jetzt mit der Realität konfrontiert. Martin Schulz ist einer, der aus der SPD das Potential herausholen kann, das in ihr steckt. Und das liegt – und lag auch zuvor – bei rund 30 Prozent der Wählerstimmen. Nicht viel mehr. Sein zu Anfang forsch erklärtes Wahlziel einer absoluten Mehrheit hat Schulz als Spaß gemeint. Derzeit ist er nicht weg, sondern tourt weiterhin durch die Lande, fragt nach, hört zu, bastelt am SPD-Programm. Ohne großes Scheinwerferlicht.

Kann Martin Schulz noch mehr als eine milde Dauerbrise?

Das gehört auch dazu und ist okay so. Aber es offenbart gleichzeitig das Problem des Martin Schulz: er hat keine große Bühne wie die Kanzlerin. Er ringt nicht mit Putin, lächelt nicht mit Ivanka Trump, reist nicht durch die Golfstaaten. Und wenn er Anfang der Woche seine Eckpunkte zur Wirtschaftspolitik vorlegt, dann tut er das glamourlos bei der IHK Berlin. Die Kanzlerin hatte dagegen eine Riege Wirtschaftsbosse direkt im Flieger nach Saudi-Arabien dabei. Übergroße Erwartungen an Martin Schulz bekommen jetzt also einen Dämpfer. Aber der Schulz-Effekt ist trotzdem nicht verpufft, er hat sich in eine stete, milde Dauerbrise verwandelt. Ob die wieder kräftiger wird, werden die beiden Wahlen in Schleswig-Holstein und NRW zeigen. Wenn ja – gut für Schulz. Wenn nein, heißt es halt ranklotzen. Das ist für einen SPD-Chef eigentlich ja die völlig normale Jobbeschreibung.

 

Zuletzt aktualisiert: 23.07.2017, 02:39:01