Antrittsbesuch 2.0 – Merkel trifft Trump

Gepostet am 16.03.2017 um 13:15 Uhr

Verhandeln oder erstmal Nachhilfe in Politik geben? Bundeskanzlerin Merkel trifft in Washington das erste Mal auf US-Präsident Donald Trump.

Es ist sozusagen der Antrittsbesuch 2.0. Diesmal spielt immerhin das Wetter mit. Und obwohl die Kanzlerin am Montagabend von einem freundlichen Telefonat mit Donald Trump berichtet hat – die großen Fragezeichen sind geblieben. Was hat der neue US-Präsident vor? Wie denkt er über die Nato und die Europäische Union? Will er die amerikanische Wirtschaft wirklich abschotten und Produkte aus dem Ausland mit Strafzöllen künstlich teurer machen?

An der Haltung der Bundesregierung zum Thema Freihandel hat sich jedenfalls in den letzten Tagen nichts geändert. „Wir glauben weiterhin daran, dass Freihandel Vorteile für alle Beteiligten hat. Wir glauben an eine nichtprotektionistische Weltwirtschaftsordnung“, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Deutsche Industrie erwartet jedenfalls, dass sich die Kanzlerin in Washington für einen freien Welthandel stark macht. Weil davon auch die USA profitieren.

Industrie-Präsident Dieter Kempf sagte dem Deutschlandfunk: „BMW exportiert aus den USA mehr Automobile im Jahr als die beiden großen amerikanischen Unternehmen General Motors und Ford zusammen. Auch das gehört zur Wahrheit.“ Mit den Chefs von Siemens, BMW und Schaeffler hat die Kanzlerin gleich drei Schwergewichte aus der deutschen Wirtschaft im Schlepptau. Als Überzeugungshilfe. Denn angeblich traut Donald Trump Industriebossen ja mehr zu als der Politik. Bundeswirtschaftsministerin Zypries empfiehlt der deutschen Seite cool zu bleiben: „Das ist ja auch in der Vergangenheit schon so gewesen, dass Herr Trump Ankündigungen gemacht hat, die er nachher nicht umgesetzt hat, und man hat manchmal den Eindruck, dass man auch ein paar Fakten mal nachliefern muss für die Bewertung.“

Soll heißen: Der neue US-Präsident braucht ganz offensichtlich Nachhilfe. Auch mit Blick auf die vielen Krisenherde dieser Welt. Von der Ukraine über Nordkorea, Syrien und Nordafrika bis hin zum Kampf gegen den islamistischen Terror – Angela Merkel und ihre Delegation sind darauf vorbereitet, in Washington als Ratgeber aufzutreten. Schließlich gilt Donald Trump als außen- und sicherheitspolitischer Laie. Nach Ansicht von Sahra Wagenknecht sollte die Kanzlerin außerdem das Thema Überwachung durch die NSA zur Sprache bringen. Die Chefin der Linken-Bundestagsfraktion sagte dem SWR: „Ich finde, es wäre tatsächlich an der Zeit, das deutlich anzusprechen und allen Druck, den man machen kann, auszuüben, damit das endlich abgestellt wird.“

Was in Washington keine Rolle spielen soll, das sind die Ausfälle des damaligen Präsidentschafts-Kandidaten Donald Trump. Dabei hatte der Milliardär im amerikanischen Wahlkampf die deutsche Flüchtlingspolitik und die Kanzlerin immer wieder scharf attackiert. Und ist dabei auch persönlich geworden: „Ich dachte immer, Merkel wäre eine großartige Anführerin. Aber was sie Deutschland angetan hat, ist einfach geisteskrank.“

Aus der Bundesregierung heißt es dazu, der Blick nach vorn zähle, nicht der zurück. Das findet auch die Kanzlerin: „Das direkte Gespräch ist immer viel besser als wenn man übereinander redet. Miteinander reden statt übereinander, das wird mein Motto sein bei diesem Besuch, auf den ich mich ausdrücklich freue.“ …und der nach Lage der Dinge diesmal wohl auch tatsächlich stattfinden kann. Der Wetterbericht für Washington sagt nämlich viel Sonne voraus, und Temperaturen bis zu 14 Grad.

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2017, 04:42:12