Bundeswehr offenbar Opfer von fake-news Kampagne in Litauen

Gepostet am 17.02.2017 um 16:45 Uhr

Der Vorwurf klingt dramatisch: Bundeswehrsoldaten sollen in Litauen ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt haben. Doch schnell stellt sich heraus: diese Vergewaltigung hat es nie gegeben. Offenbar wieder ein Fall von fake-news, eine bewusste falsch-Information.
Wie man in Berlin damit umgeht und wer dahinterstecken könnte, dazu Christoph Scheld aus unserem Hauptstadtstudio.

Dienstag dieser Woche. Beim Präsidenten des Litauischen Parlaments geht eine anonyme E-Mail ein. Bundeswehrsoldaten sollen ein litauisches Mädchen vergewaltigt haben. In der Ortschaft Jonava, gut 20 Autominuten vom NATO-Stützpunkt in Rukla entfernt, auf dem die Soldaten Dienst tun.
Der Parlamentspräsident lässt die Polizei ermitteln. Das ergebnis fass der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums zusammen:
“Dabei wurde festgestellt, dass es weder ein vermeintliches Opfer noch eventuelle Zeugen oder Täter festgestellt werden konnten.”
Die Behörden in Litauen gehen deshalb davon aus: diese Vergewaltigung hat nie stattgefunden. Die E-Mail-Adresse von der die Vorwürfe kamen: nicht mehr existent.
“Inzwischen ist es so, dass die Polizei in Litauen jetzt Ermittlungen durchführt wegen vermutlicher falscher Beschuldigungen, Verbreitung von Fakenews gegen Unbekannt.”
Eine bewusste Kampagne oder ein einzelner Vorfall? Noch ist das nicht klar.
Aber wer steckt dahinter? Der Spiegel vermutet Russland als Urheber und nennt NATO-Diplomaten als Quelle.
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg will das nicht bestätigen. Er sagt nur, was die NATO tun könne. Nämlich Fakten liefern. Und Propaganda mit Fakten kontern. Dann würde die Wahrheit siegen.

Die Vermutungen über russische Urheber kommen allerdings auch nicht von ungefähr. Schließlich baut die NATO gerade in Litauen ihre „vorgeschobene Präsenz“ aus. Ein multinationales Bataillon, das Russland abschrecken soll. bis zum Sommer soll es auf gut 1000 Soldaten anwachsen. 450 davon kommen von der Bundeswehr.
Dass diese Aufrüstung vor der eigenen Haustür Russland missfällt, daraus hat der Kreml nie einen Hehl gemacht. Ihn deshalb aus Urheber der Kampagne zu bezeichnen wäre trotzdem falsch.
Fazit: der Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Fakten zu überprüfen. So sieht das auch der NATO-Generalsekretär und appeliert an Journalisten wie Politiker gleichermaßen.

Zuletzt aktualisiert: 17.12.2017, 15:00:36