Die deutschen Kontakte ins Trump-Lager

Gepostet am 20.01.2017 um 13:35 Uhr

Welche Folgen wird die Präsidentschaft Donald Trumps für Deutschland haben? Als Trump im November gewählt wurde, hatte man in Berlin kaum Vorstellungen. Sieht man jetzt klarer?

Nur wenige Deutsche kennen Christoph Heusgen. Dabei ist er fast so wichtig wie der Außenminister. Heusgen ist der außen- und sicherheitspolitische Berater von Kanzlerin Merkel, und zwar schon seit Beginn von Merkels Kanzlerschaft. Heusgens Meinung über den künftigen US-amerikanischen Außenminister Rex Tillerson hat also Gewicht.

Bei einer Diskussionsveranstaltung über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen sagte Heusgen in dieser Woche, seit er wisse, dass Tillerson von Steve Hadley beraten wird, schlafe er wieder besser. Steve Hadley war Sicherheitsberater in der zweiten Amtszeit von George W. Bush; Heusgen kennt ihn aus dieser Zeit und hofft, dass Hadley zu Kontinuität und Verlässlichkeit in der amerikanischen Außenpolitik beitragen kann. Heusgens Freude über Hadley dürfte auch damit zu tun haben, dass er nun etwas genauer weiß, woran er ist. Denn als im November Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, da blickte man in Berlin in ratlose Gesichter: Was hat Trump außenpolitisch vor? Wer berät ihn? Wer könnte sein Außenminister werden? Selbst von ihren Gesprächspartnern in den USA erfuhren deutsche Politiker und Diplomaten wenig.

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen hat seit Trumps Wahl versucht, neue Kontakte zu knüpfen. Er sprach mit Vertretern eines konservativen Think Tanks, die einen guten Draht zum Team von Donald Trump haben. Annen sagt, das sei aber das einzige Gespräch, das zustande gekommen sei – weil ja die klassischen Ansprechpartner bei den Republikanern in Trumps Kampagne besiegt und marginalisiert worden seien.

Annens CDU-Kollege Jürgen Hardt hat unter anderem mit John McCain gesprochen, republikanischer Senator, 2008 Präsidentschaftskandidat, heute Chef des Verteidigungsausschusses. Die Botschaft dort: Geht es nach dem Kongress, dann wird es auch unter Trump bei der transatlantischen Zusammenarbeit in Außen- und Sicherheitsfragen keine grundlegenden Veränderungen geben. Hardt glaubt, dass Trump über diese Position nicht hinweggehen werde – weil es zu Trumps Stärke beitrage, wenn der Kongress hinter ihm stehe. Jürgen Hardt – und das gilt auch für SPD-Mann Annen – hofft und vertraut also auf das in den USA bewährte System der Check and Balances: Die gegenseitige Kontrolle und Machteinschränkung von Präsident, Kongress und Supreme Court.

Wie mit Trump kommunizieren?

Trotzdem bringt Präsident Trump für Deutschland Änderungen mit sich – darüber herrscht in Berlin sehr weitgehende Einigkeit. Was sich genau ändert – da tun sich die deutschen Außenpolitiker noch immer schwer. Kein Grund, Angst zu haben, sagt Niels Annen von der SPD – aber ein paar Sorgen macht er sich schon: Trump werde sich nicht ändern, kein „normaler“ Politiker werden. Trump habe narzisstische Züge, spreche offensichtlich eine klare Sprache – und deshalb müsse man selbst offenbar auch sehr klar mit Trump reden.
Reden – auch darüber, wie beispielsweise die EU funktioniert. Merkel-Berater Christoph Heusgen hat in ersten Gesprächen mit der Trump-Administration den Eindruck gewonnen, dass dieses Wissen dort teilweise fehlt. Unterm Strich rät Heusgen aber in Sachen Trump zu etwas mehr Gelassenheit – und erinnert an die Amtseinführung von Ronald Reagan 1981: Seinerzeit hätten viele gefragt, wie es nur sein könne, dass ein Schauspieler Präsident wird. Inzwischen habe sich die Sicht auf Reagan gewandelt.

Auch die Sicht auf Donald Trump wird sich mit seiner Präsidentschaft wandeln. Ob sie sich verbessert, ist eine andere Frage.

Dieses Thema beschäftigt uns auch im Bericht aus Berlin, 22. Januar, 18.30 Uhr, im Ersten. Als Gesprächsgast eingeladen ist Jens Spahn, CDU, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. 

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2017, 05:22:28