Was von Gauck in Erinnerung bleiben wird

Gepostet am 18.01.2017 um 14:10 Uhr

Eine Amtszeit hat Joachim Gauck gereicht, um eine Menge bleibender Erinnerungen zu schaffen. Unserer Korrespondentin Sabine Müller werden drei Dinge besonders im Gedächtnis bleiben.

Joachim Gauck nannte die Dinge beim Namen. Anhänger der NPD bezeichnete er als „Spinner“, er fand scharfe Worte für den „Aggressor“ Putin und er boykottierte demonstrativ die Olympischen Spiele in Sotschi. Bei einem Besuch in der Türkei kritisierte Gauck die Zustände dort ungewöhnlich offen und lächelte Präsident Erdogans Kritik an seinen Worten souverän weg:

„Ich habe getan, was meine Pflicht ist: Mich konkret mit der Wirklichkeit und den hiesigen Konflikten auseinanderzusetzen. Ich habe nichts erfunden und ich bin eher zurückhaltend gewesen.“

Auch mit Merkel und Co. legte sich der Präsident an: Während die Bundesregierung in der Armenien-Debatte um das Wort Völkermord herumtänzelte, sprach er es in einer großen Rede bewusst aus.

Ohne ihn wäre die Armenien-Resolution des Bundestags vielleicht nicht zustande gekommen. Gauck war ein politischer Bundespräsident, der sich durchaus auch mal in die Tagespolitik einmischte.

Er war der Nation in dunklen Stunden ein guter Seelsorger

Ob es daran liegt, dass er früher Pastor war? Jedenfalls fand Joachim Gauck immer die richtigen Worte. Nach Terroranschlägen oder als ihn auf einer Südamerika-Reise die Nachricht vom Germanwings-Absturz erreichte:

„Ich stelle mir vor, welche Trauer, welches Entsetzen und welches Leid in den Familien herrscht. Ich bin weit weg von ihnen – kilometermäßig – und ganz nah bei ihnen mit meinen Gefühlen und meiner Trauer.“

Man merkte: Der Mann fühlt wirklich mit. Seine Anteilnahme war keine Show für die Öffentlichkeit. Sie wurde jedem zuteil, den er in Not wähnte, erinnert sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die selbst mal tröstende Worte hörte:

„Das ist schon außergewöhnlich, seine Fähigkeit, inmitten dieser ganzen großen Aufgaben, die er hat, den einzelnen Menschen zu sehen und zu spüren, wie es ihm geht.“

Er wurde angefeindet wie kein Bundespräsident vor ihm

Für seine Forderung nach mehr deutscher Verantwortung auf der Welt, im Zweifel auch militärisch, wurde Joachim Gauck mit „Kriegstreiber“-Rufen heftig beschimpft. Und in der Flüchtlingskrise stand er genauso im Visier lautstarker Pöbler wie die Kanzlerin und andere Spitzenpolitiker.

Weil sich manche von seiner Aussage vom „Dunkeldeutschland“ beleidigt fühlten, aber vor allem, weil der Umgangston insgesamt rauer geworden ist. Da steht der  Bundespräsident nicht mehr über den Niederungen der Politik, sondern ist mittendrin – mitgefangen, mitgehangen. Gauck nahm es recht gelassen hin, fand er aber auch klare Worte, wo er die Grenzen solcher Attacken sieht.

Unsere TV-Korrespondentin Eva Lodde blickt ebenfalls noch einmal zurück: Auf Gaucks Abschiedsrede und auf die Frage, was den scheidenden Bundespräsidenten in seinem Amt angetrieben hat?


Zuletzt aktualisiert: 17.08.2017, 03:59:16