Was denken die Deutschen über Lesben und Schwule?

Gepostet am 12.01.2017 um 15:40 Uhr

Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ergab: Eine klare Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Gleichstellung bei der Ehe für Lesben und Schwule. Eine Minderheit hält nach wie vor Homosexualität für “unnatürlich”.

Die große Mehrheit der Deutschen findet, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle weiter diskriminiert werden und fordert ihre komplette rechtliche Gleichstellung. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen stimmen 83 Prozent der Aussage zu, Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern sollten erlaubt sein.

Wer sich wegen seiner Sexualität benachteiligt fühlt, kann das bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes melden. Und das passiert immer noch täglich!

„Das wurde zum Beispiel einem Altenpfleger gekündigt, weil er nicht zum Unternehmen passe. Da bekam ein lesbisches Paar keine Wohnung unter Verweis auf die sexuelle Orientierung. Und erst kürzlich beschäftigte uns ein Fall, in dem ein schwules Paar gebeten wurde, eine Hotel-Lobby zu verlassen, weil es sich geküsst hatte.“

Etwa 800 solcher Fälle könnte die Leiterin der Stelle, Christine Lüders, aufzählen. Alleine für das Jahr 2016. Und das steht ein bisschen im Widerspruch zur aktuellen Studie. Demnach sind die Deutschen gegenüber Homosexuellen nämlich überaus liberal eingestellt. Fast alle finden es gut, dass es Gesetze gegen Diskriminierung gibt. Fast alle sind dafür, dass in den Schulen sexuelle Vielfalt vermittelt wird. Und auch mit der gleichgeschlechtlichen Ehe hätten die Deutschen kein Problem. Sagt Beate Küpper, die die Studie geleitet hat.

„Die überwältigende Mehrheit stimmt der gleichgeschlechtlichen Ehe zu. Das Thema ist – um es salopp zu sagen – im Prinzip in der Mehrheitsbevölkerung schon durch.“

Und deshalb plädieren Küpper und Lüders auch dafür, dass sich der Bundestag endlich damit beschäftigt. Am besten ohne Fraktionszwang – dann wäre eine Mehrheit für die wirkliche Homo-Ehe schnell zusammen. SPD, Linke und Grüne sind ja schon lange dafür. Und auch in der Union bröckelt der Widerstand. Auf der parlamentarischen Tagesordnung steht das Thema aber erst mal nicht.

Und auch die aktuelle Studie zeigt, dass die meisten Befragten zwar generell sehr liberal gegenüber Schwulen und Lesben sind. Aber das lässt auch schnell nach, wenn man persönlich mit dem Thema konfrontiert wird. Etwa ein Drittel empfindet es zum Beispiel immer noch als unangenehm, wenn zwei Männer sich in der Öffentlichkeit küssen. Muss ja nicht sein…

„Homosexuelle sollten aufhören, so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen. Hier stimmen 44% der Befragten zu. Über 26% sagen, ich möchte mit dem Thema Sexualität möglichst wenig in Berührung kommen.“

Und genau das zeigt die Studie auch an einer anderen Stelle. Da wurde gefragt, wie man es fände, wenn ein Arbeitskollege sich outen würde. Nur 10% fänden das unangenehm. Wenn sich aber herausstellt, dass der Kita-Betreuer des Sohnes schwul ist, dann hätten damit schon 20% ein Problem. Und wenn der eigene Sohn irgendwann mal mit seinem Mann nach Hause kommt, dann sind es sogar 40%.

Ganz offenbar steigt die Akzeptanz für alternative Lebensformen also an, je weiter die von einem weg sind.

Zuletzt aktualisiert: 20.11.2017, 18:14:03