Mann der klaren Worte – Trauer um Roman Herzog

Gepostet am 10.01.2017 um 16:40 Uhr

Er hinterlässt Deutschland mehr als eine Ruck-Rede. Altbundespräsident Herzog ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Nachricht wurde im politischen Berlin mit Trauer aufgenommen.

Politiker aller Parteien erinnerten mit großem Respekt an einen Mann der Deutschland als Präsident des Bundesverfassungsgerichts, als Landespolitiker und schließlich als Bundespräsident gedient hat.

Unprätentiös, humorvoll und durchaus selbstironisch – so beschreibt Bundeskanzlerin Merkel den Mann, den sie auch als hochbeliebten Altbundespräsidenten würdigt. Sie ist nicht die einzige, die seinen Humor hervorhebt. Gerda Hasselfeldt, die CSU-Landesgruppenchefin hat Herzog vor vielen Jahren getroffen bei einer Klausur.

“Und konnte da einen sehr herzliche, sehr klugen bescheidenen humorvollen Menschen erleben. Für diese persönlichen Kontakte bin ich auch sehr dankbar.”

Ein Mann der klaren Worte – auch diese Beschreibung fehlt in keiner Würdigung. Bundestagspräsident Lammert hat den Altbundespräsidenten so erlebt.

“Er ist immer wieder auch mit unbequemen Positionen aufgefallen. Er hat Klartext gesprochen, wo andere vielleicht eher zu diplomatischen vorsichtigen Formulierungen geneigt hätten.”

Mit all diesen Eigenschaften hat er zur Verständigung zwischen Bürgern und Politik beigetragen, sagt Bundespräsident Gauck.

“Er genoss Vertrauen, weil er eine klare und menschliche Art zu denken hatte und weil er aus tiefster Überzeugung sich für dieses Land und Europa einsetzte und auch weil er seinen Mitmenschen mit Takt und Umsicht begegnete.”

Die Ruck-Rede prägt die Nachrufe auf den Verfassungsrechtler, der später zum Politiker und schließlich zum Bundespräsidenten wurde. 1997 gehalten im Berliner Hotel Adlon. Acht Jahre nach der Wende. Keine Spur damals von den blühenden Landschaften, die Kanzler Kohl versprochen hatte. Statt dessen vier Millionen Arbeitslose und leere Sozialkassen.

“Roman Herzog hat Reformbereitschaft angemahnt, als die Bundesrepublik dieser Mahnung in besonderer Weise bedurfte.”

Eine Mahnung, an die selbst Oppositionspolitiker respektvoll erinnern. Cem Özdemir der Vorsitzenden der Grünen wertet diese Rede als wichtigen Impuls für die Modernisierung Deutschlands.

“Das war gut, dass er jemand war, der eingefordert hat, dass wir die Dinge an die wir uns gewöhnt hatten in Frage stellen und auch den Blick von außen wagen.”

Die Rede sei noch heute lesenswert, schreibt SPD-Chef Gabriel in seinem Kondolenzbrief an Herzogs Witwe. Gabriel erinnert auch an die deutlichen Worte gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus. Und – so Bundesratspräsidentin Dreyer – er hat noch etwas Wichtiges hinterlassen.

“Ich werde ihm auch immer dankbar sein, dass er den Gedenktag am 27. Januar eingeführt hat zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus. Es hat die Konsequenz, dass wir wirklich in ganz Deutschland diesen 27. Januar mit großem Bewusstsein begehen und eine Kultur des Erinnerns damit implementiert wurde.”

Darum hat er sich verdient gemacht, schreibt auch die Linke. Die Fraktionschefs Wagenknecht und Bartsch würdigen Herzog zudem als markante Stimme. Man habe seine Meinung nicht teilen müssen, um sie ernst zu nehmen.

Zuletzt aktualisiert: 18.08.2017, 03:10:47