Konzernatlas 2017: Immer mächtigere Konzerne in Ernährungsindustrie

Gepostet am 10.01.2017 um 15:05 Uhr

Man ist, was man isst –heißt es so schön. Aber wer macht das, was wir essen? Wer produziert eigentliche unsere Lebensmittel? Mehrere Umwelt- und Entwicklungsorganisationen und politischen Stiftungen haben das untersucht und heute in Berlin den „Konzernatlas 2017“ vorgestellt. Das wichtigste Ergebnis: Immer weniger Konzerne teilen sich immer mehr vom Weltmarkt. Zum Beispiel in der Agrartechnik, also bei Maschinen wie Traktoren.

So klingt ein Traktor. Ein Modell des Weltmarktführers. John Deere, Baujahr 2007.

Und damit ein Beispiel für immer größere Marktkonzentration. Denn im Bereich der Landtechnik teilen sich inzwischen 3 Konzerne die Hälfte des Marktes.
Ähnliche Entwicklungen gibt es auf allen Ebenen des Prozesses, bei dem es letztlich darum geht, unsere Lebensmittel herzustellen.

“Es fängt an bei einer gigantischen Machtkonzentration bei Landbesitz, das beschreibt der Atlas. Es geht weiter bei einer immensen Machtkonzentration in der Agrartechnik bei den Herstellern im globalen Handel und bei den Supermarktketten.”

So sieht das Barbara Unmüßig von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung.
Bayer kauft Monsanto, Heinz kauft Kraft, Rewe und Edeka verdrängen Kaisers-Tengelmann. Die Megafusionen, ein weltweiter Trend. In der gesamten Kette werden es immer weniger Konzerne, die immer mehr verdienen.

Das Problem für uns Kunden?

“Mit dieser Marktmacht erzeugen wir nicht nur Abhängigkeiten für den Bauern, sondern auch Abhängigkeiten für unsere Konsumentinnen, denen Vielfalt im Supermarktregal vorgegaukelt wird – dahinter aber große Konzerne stehen, die uns Einheitsbrei und keine Vielfalt mehr der Ernährung garantieren.”

Und weil Marktmacht letztlich auch politische Macht erzeugt, fehlt uns Verbrauchern immer noch Transparenz, erklärt Unmüßig. Was genau in verarbeiteten Lebensmitteln drin steckt und wie sie erzeugt werden, das wöllten die Konzerne nicht offenlegen.
Die billigen Lebensmittel, sie kämen die Kunden am Ende ziemlich teuer, sagt Reinhild Benning von germanwatch.

“Wir bezahlen als Verbraucherinnen und Verbraucher auch mit höheren Wasserkosten, dafür das zu hohe Nitrateinträge aus industrieller Tierhaltung ins Grundwasser gelangen. Wir zahlen dafür, dass Antibiotikaresistenzen entstehen in einem Stall, der in industrieller Tierhaltung kaum ohne Antibiotika betrieben werden kann.”

Überdüngung des Bodens, Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, für all das könnte man auch die Bauern verantwortlich machen. Wäre aber falsch, sagt Hubert Weiger.
Schließlich hielten sich die Landwirte an die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

“Die gemacht worden sind, um letztlich einen Prozess weiter voranzubringen, dass immer weniger in der Landwirtschaft verdient wird und immer mehr an der Landwirtschaft”

Der Chef des Bundes für Umwelt- und Naturschutz wird da zum Beschützer der Landwirte.

Seine Erkenntnis: “dass die Landwirtschaft nur noch einen relativ kleinen Teil an der gesamten Wertschöpfung darstellt. Der größte Teil der Wertschöpfung erfolgt in vor- und nachgelagerten Bereichen. Das heißt: Die Landwirtschaft ist zunehmend degradiert worden von Lebensmittelproduzenten zum Rohstoffproduzenten.”

Die Forderungen der Macher des Konzernatlas 2017: Die Ernährungsindustrie zum Wahlkampfthema machen, eine gesellschaftliche Diskussion in Gang bringen, Bewusstsein schaffen. Und als Verbraucher versuchen, sich Lebensmittel nicht nur bei Konzernen zu kaufen. Sondern eine Biokiste bringen lassen, auf den Wochenmarkt gehen oder gleich auf dem Bauernhof einkaufen. Da kann man sich dann auch den Traktor ansehen.

50-50-Chance, dass es einer von den drei größten Landtechnik-Konzernen ist…

Zuletzt aktualisiert: 22.08.2017, 05:38:05