SPD vor Düsseldorf: 10 Fragen und Antworten zur Kandidatendebatte

Gepostet am 10.01.2017 um 11:20 Uhr

Die Führungsspitze trifft sich heute zu einem Strategietreffen, um die Weichen für das Wahljahr zu stellen. Wichtigste Frage: Mit welchem Kandidaten geht die SPD in die Auseinandersetzung?

Die SPD-Führungsspitze trifft sich heute in Düsseldorf zu einem Strategietreffen, um die Weichen für das Wahljahr zu stellen. Dabei soll auch die Frage auf den Tisch kommen: Mit welchem Kandidaten geht die SPD in die Auseinandersetzung? Offiziell wollen die Sozialdemokraten den Merkel-Herausforderer erst Ende des Monats ausrufen. Alles scheint aber darauf hinauszulaufen, dass es Parteichef Sigmar Gabriel selber macht. Wir haben die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

Was spricht für Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidaten?

Auch seine erbitterten Gegner in der Partei – und davon gibt es einige – sagen: Gabriel sei das größte politische Talent seiner Generation. An guten Tagen ist er der beste politische Redner der Republik, an politischem Instinkt kommt er seinem Ziehvater Gerhard Schröder gleich. Außerdem hat er als Umwelt- und Wirtschaftsminister gezeigt, dass er regieren kann. Im Eins-zu-eins-Dialog mit Bürgern ist Gabriel so einnehmend wie wenig andere Politiker.

Warum zögert die SPD dann bei der Kandidatensuche?

An der Basis ist Gabriel nicht beliebt. Und auch er hat lange gezögert. Denn er kennt seine Probleme. Die sind seit Jahren in Umfragen abzulesen. Gabriels Beliebtheitswerte sind schlecht bis miserabel. Das Image eines Politikers, der ständig seine Meinung wechselt, auf den man sich nicht verlassen kann, der manchmal aufbrausend und häufig populistisch ist, klebt an ihm wie Kaugummi unter der Schuhsohle.

Wird sich Gabriel heute in Düsseldorf erklären?

Der engste Führungskreis der SPD erwartet von ihm eine Ansage. Der Originalton eines Präsidiumsmitglieds: “Wenn wir in Düsseldorf nicht auch über die Kandidatenfrage reden, macht das heutige Treffen keinen Sinn.”

Wie wahrscheinlich ist, dass Gabriel “Ja” sagt?

Sehr wahrscheinlich. „Ich gehe davon aus, dass er antritt“, sagt einer aus der Führungsspitze dem ARD-Hauptstadtstudio. Die Bild-Zeitung meldet heute bereits, Gabriel habe sich entschieden, zu kandidieren. Der SPD-Chef selbst schweigt öffentlich. Aber alles andere als ein Ja wäre eine dicke Überraschung. Als SPD-Chef kann er nicht noch einmal einem anderen den Vortritt lassen. Die SPD wird mit Gabriel auf einen Themen-, weniger auf einen Personenwahlkampf setzen.

Wäre EU-Parlamentspräsident Martin Schulz nicht der bessere Kandidat?

Geht man nach den Umfragen, spricht wenig für Gabriel und viel für Schulz. Laut aktuellem Deutschland-Trend ist der scheidende EU-Parlamentspräsident beliebter als Kanzlerin Merkel. Gabriel liegt deutlich dahinter. Aber: Die SPD hat mit Umfragenkönigen schlechte Erfahrungen gemacht. Auch Steinmeier und Steinbrück waren in Umfragen beliebt, stürzten im Wahlkampf ab und fuhren am Ende für die SPD desaströse Ergebnisse ein.

Geht Schulz leer aus, wenn Gabriel Kandidat wird?

Nein. Die SPD wird ihn als Nachfolger von Steinmeier als neuen Außenminister vorschlagen.

Und Olaf Scholz, auch lange Zeit als möglicher Kandidat gehandelt?

Ihn halten viele in der SPD für den besten möglichen sozialdemokratischen Kanzler – aber es gibt Zweifel, dass der erfolgreiche Hamburger Bürgermeister deutschlandweit mit seiner spröden Art als Wahlkämpfer funktioniert. In der Parteispitze wird Scholz nur von Vize Schäfer-Gümbel und Arbeitsministerin Nahles unterstützt.

Würde Gabriel sein Ministeramt aufgeben, um Beinfreiheit im Wahlkampf zu haben?

Das ist nicht auszuschließen. Einige in der SPD-Führung fordern das intern mit Nachdruck: Der Kandidat dürfe nicht Teil der Regierung sein. Nur so könne die SPD glaubwürdig für eine Alternative zum “Weiter so” in einer großen Koalition werben.

Wird die Entscheidung der SPD heute schon offiziell bekanntgegeben?

Nein. In Düsseldorf werden die Weichen gestellt. Die Sitzung ist geheim, trotzdem dürften der Erfahrung nach in den kommenden Tagen die wichtigsten Ergebnisse bekannt werden. Offiziell verkünden will die SPD das Ergebnis ihrer Kandidatensuche erst Ende des Monats auf einer Klausurtagung.

Ist das zu spät?

Nicht unbedingt. Der letzte erfolgreiche SPD-Herausforderer, der einen CDU-Kanzler gestürzt hat, wurde noch viel später nominiert. 1998 hat die Partei Gerhard Schröder am 1. März zum Kanzlerkandidaten ausgerufen.

Zuletzt aktualisiert: 19.08.2017, 13:18:29