K-Frage: SPD-Führung erwartet Gabriels Ja zur Kanzlerkandidatur

Gepostet am 09.01.2017 um 11:35 Uhr

Nach Wahlpleiten und trotz Umfragewerten um die 20 Prozent wollen die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl im September wieder über 30 Prozent kommen. Als wahrscheinlichster Kandidat dafür gilt SPD-Chef Gabriel.

Es ist der engste Führungskreis der SPD der am morgigen Dienstag im Flughafenhotel in Düsseldorf zusammenkommt. Mitarbeiter und Pressesprecher bleiben zu Hause, eine offizielle Tagesordnung gibt es nicht. Gerade deswegen, sagt einer der Teilnehmer, werde alles auf den Tisch kommen: Die Strategie für den Wahlkampf 2017, das Programm und selbstverständlich auch die Kandidatenfrage.

Hierzu gibt es in der Parteispitze mittlerweile die klare Erwartung: Sigmar Gabriel wird es machen. Viel spreche dafür, dass er als Kandidat antrete, so die aktuelle Einschätzung eines Präsidiumsmitglieds vom Wochenende. Gabriel selbst hat bereits vor Monaten in einem ARD-Interview gesagt:

„Als Vorsitzender einer Partei müssen Sie sich ein Amt des Bundeskanzlers immer zutrauen – müssen Sie auch wollen“.

Zwar schränkte Gabriel gleichzeitig ein: Ein Parteichef müsse auch die Distanz haben zu entscheiden, ob in einer Wahlkampfsituation jemand anders der richtige ist. Aber der Eindruck verstärkt sich, dass Gabriel nach monatelangem Zögern springen will. Hannelore Kraft hat mit ihrer nordrhein-westfälischen SPD – gegen die kaum etwas geht in der Partei – bereits Unterstützung signalisiert. Auch Altkanzler Gerhard Schröder hält Gabriel gerade in Zeiten wie diesen für den Richtigen:

„Sigmar Gabriel ist ein demokratischer Populist – und das ist auch gut so. In einer Zeit, in der sich unsere Republik und das vereinte Europa Populisten von rechts und links ausgesetzt sehen, brauchen wir als Gegengewicht Demokraten, die kämpferisch sind“.

Spannend ist, wie offen in Düsseldorf auch über das diskutiert wird, was gegen Gabriel als Kandidaten spricht – allen voran seine anhaltend schlechten Umfragewerte. Den Zeitplan der K-Frage hat Gabriel eng abgestimmt vor allem mit Olaf Scholz und Hannelore Kraft, aber auch mit seinen anderen Stellvertretern Ralf Stegner, Thorsten Schäfer-Gümbel und Manuela Schwesig sowie dem scheidenden EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz und Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann. Auch zur Kanzlerkandidatur wird Gabriel nur Ja sagen, wenn in Düsseldorf klar wird, dass diese wirklich Wichtigen in der SPD auf seiner Seite sind. Im Moment gibt es keine Anzeigen dafür, dass sich irgendjemand von ihnen in den Weg stellt.

Auch Martin Schulz nicht, lange Zeit als neuer Hoffnungsträger gehandelt. Schon vor Wochen hat er klar gestellt:

„In jedem Fall ist Sigmar Gabriel ein hervorragender Parteivorsitzender und wenn er der Kanzlerkandidat ist, kann er sich zumindest auf mich verlassen“.

Schulz scheut den offenen Machtkampf mit Gabriel. Zwar hat er Sympathien quer durch alle Parteiflügel und im jüngsten DeutschlandTrend liegt er in der Beliebtheit sogar vor Kanzlerin Merkel. Aber: Schulz reizt das Amt des Außenministers. Und in der SPD-Führung gibt es die Überzeugung: Als Nachfolger Steinmeiers weltweites Krisenmanagement betreiben und gleichzeitig den härtesten aller bisherigen Wahlkämpfe bestreiten – das geht nicht. Olaf Scholz, eine andere mögliche Alternative zu Gabriel, hat sich in den vergangenen Wochen quasi selbst aus dem Rennen genommen, an der Parteibasis fehlt ihm die Unterstützung.

Gabriel dagegen ist im Kampfmodus, ungeachtet seiner Operation über Weihnachten. Mit Wucht hat er sich in die Debatte über die innere Sicherheit geworfen, im aktuellen Spiegel-Interview spricht er wie ein Kanzlerkandidat. Den Malus der schlechten Umfragewerte Gabriels kommentiert ein Präsidiumsmitglied mit den Hinweis auf den letzten Kanzlerwechsel: Auch Merkel habe Schröder 2005 geschlagen, obwohl sie damals persönlich unbeliebter war. Unabhängig vom Ausgang der Debatte in Düsseldorf – offiziell bleibt es dabei, dass die SPD ihren Kandidaten Ende des Monats ausruft.

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2017, 05:30:30