Blick zurück: Die SPD und die ewige K-Frage

Gepostet am 26.12.2016 um 10:05 Uhr

Für die SPD war 2016 turbulent. Wer führt die Partei in den Wahlkampf? Will Sigmar Gabriel selbst als Kanzlerkandidat durchstarten, oder überlässt er das dem Import aus Brüssel, Martin Schulz?

Ach, es hätte doch so schön klar sein können. Im Mai wusste angeblich einer ganz genau Bescheid, wie das läuft bei den Sozialdemokraten: „Olaf Scholz wird der neue Vorsitzende der SPD, und als Kanzlerkandidat ist der Schulz im Gespräch, der Martin Schulz vom Europaparlament!“ – das verkündete Ex-Focus-Herausgeber Helmut Markwort vollmundig im Bayerischen Fernsehen.

Wie bitte? „Also: Schulz und Scholz statt Gabriel“, legte Markwort nochmal nach, angeblich erfahren von einer „Top-Quelle“. Das wäre ein Knaller gewesen, wenn Sigmar Gabriel damals wirklich zurückgetreten wäre, als SPD-Chef.

“Was soll ich machen?”

Ist er aber nicht, und hat Markworts todsicheren Tip lachend zur Seite gewischt. Allen miesen Umfragewerten für sich selbst und die SPD zum Trotz. Auf einer SPD-Wertekonferenz witzelte Gabriel lockerer denn je, im Zwiegespräch mit Putzfrau und Neu-Mitglied Susi Neumann über die Frage: in der Koalition mit Merkel bleiben oder nicht?

„Was soll ich jetzt machen – rausgehen und alles so beschissen lassen, in der Hoffnung, sie wählen nachher SPD?“ SPD-Neumitglied Susi Neumann dazu schlagfertig: „Also wenn eine Reinigungskraft dir das sagen könnte, wie du das hinkriegst.“

Ist Gabriel der Richtige?

Wie wird die SPD stärker? Ist Gabriel der richtige Kanzlerkandidat? Oder lässt er einem anderen den Vortritt, dessen Umfragewerte beim Thema „Vertrauen“ weit besser sind, Martin Schulz? Das beschäftigt die SPD – Gabriel will sich aber lange Zeit nicht hetzen lassen:

„Bevor nicht einmal die amtierende Kanzlerin gesagt hat, ob sie noch einmal antritt, muss die deutsche Sozialdemokratie sich nicht mit Personalfragen befassen.“

Inzwischen hat sich Merkel zwar erklärt. Sie macht’s noch einmal. Aber Gabriel schweigt weiter. Martin Schulz wiederum zögert lange, entscheidet sich dann aber doch, aus Brüssel, vom Europa-Parlament, nach Berlin zu wechseln.

Schulz und Gabriel sind Freunde. Beim CETA-Kongress der SPD im Herbst in Wolfsburg zeigen sich die beiden Arm in Arm, und Schulz lobt:

„Sigmar Gabriel hat nicht nur seinen Führungsanspruch, sondern auch seine Führungsfähigkeit unter Beweis gestellt.“

Aber diesen Führungsanspruch nutzt der SPD-Chef zunächst nicht für sich, sondern für einen anderen: Gabriel hievt Außenminister Steinmeier erfolgreich auf den Bundespräsidenten-Bewerbersessel. Ein Coup, den der Vizekanzler genüsslich auskostet, und mit Dank an Koalitionspartner Union nicht spart:

„Ich möchte ausdrücklich der Bundeskanzlerin und dem Ministerpräsidenten, Herrn Seehofer für die Unterstützung danken, die – das möchte ich ausdrücklich sagen – nicht automatisch und nicht selbstverständlich ist.“

CDU-Chefin Merkel und CSU-Vorsitzender Seehofer hören’s mit zusammengebissenen Zähnen. Doch für die eigene künftige Rolle scheint der Vizekanzler weniger entschlossen. Will er nun Kanzlerkandidat werden? Ja, nein, vielleicht? Diese große Frage nimmt die SPD mit ins nächste Jahr.

Zuletzt aktualisiert: 16.08.2018, 00:51:15