Berliner Notizen: Adventszeit, Märchenzeit im Regierungsviertel

Gepostet am 16.12.2016 um 16:15 Uhr

In der digitalen Welt geht es viel um Wahrheit oder eben die Unwahrheit. Fake-News sind in aller Munde. Im wirklichen Leben zählen vor allem die Geschichten, die man sich erzählt.

Adventszeit

Auch im Regierungsviertel Zeit zusammenzurücken und Geschichten zu erzählen. Die Linke beispielsweise hat einen ziemlich märchenhaften Anfang hingelegt. Da stellen die Parteivorsitzenden die Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl vor. Allerdings ohne die Betroffenen, also ohne Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Parteichef Bernd Riexinger erklärt es so:

“Die Partei schlägt die Spitzenkandidatinnen und in dem Fall das Spitzenteam – und stellt es entsprechend auch der Presse vor. Das dürfen sie nicht als Ausdruck von Streit missinterpretieren, sondern das war abgesprochen.”

Gut, abgesprochen war es vielleicht, aber gab es auch Blessuren? Oder warum scheuen sie die Öffentlichkeit? Vielleicht eine brisante Geschichte. Ganz anders aber eben auch brisant waren die letzten Monate zwischen den Unionsparteien. Jetzt ist es dem Peter Tauber, als Generalsekretär Kummer mit der Schwesterpartei aus Bayern gewohnt, selbst nicht ganz geheuer:

“Ich war nämlich in Bayern und ich bin sehr froh dass man inzwischen nicht mehr dazu sagen muss, dass man als Christdemokrat wohlbehalten wieder nach Hause gekommen ist.”

Tatsächlich: Peter Tauber ganz ohne Schrammen. Da kann er wirklich froh sein, vielleicht liegt auch darin eine tiefere Wahrheit. Nach eben dieser Wahrheit sucht man hierzulande oft in Umfragen. Aktuelles Beispiel: Horst Seehofer und die Geschichte mit den steigenden Werten für die CDU – neulich in der Sendung ‚Farbe bekennen‘:

“Also es lohnt sich für die Mehrheit zu kämpfen. Tina Hassel: Wobei man da fairer Weise sagen muss, bei der Umfrage, die sie ansprechen: sehr viel Zustimmung für die Politik der Kanzlerin bei den strittigen Punkten. Seehofer: Deshalb sind wir ja froh, dass wir sie haben.”

Und das können wir ihm vermutlich sogar glauben. Fast wie die Geschichte vom gestohlenen Fahrrad, die eine gut gelaunte Claudia Roth von den Grünen herauskramt – just an dem Tag, an dem der erzgrüne Christian Ströbele bekannt gibt, nicht noch einmal für den Bundestag zu kandidieren.

“Dann hat man in den S-Bahnen und U-Bahnen in Berlin, da gibt es ja immer diese Bildschirme auch, wo Werbungen laufen, da hat man gesagt, geben Sie das Fahrrad zurück, wissen Sie überhaupt, wem sie das gestohlen haben? Dem Christian Ströbele! Und, was ist passiert? Christian Ströbele hat sein Fahrrad zubekommen. Und das, finde ich, ist auch eine Anerkennung von möglichen Fahrraddieben.”

Anerkennung hätten sie alle gern. Auch wenn sie dabei nicht unbedingt nach Fahrraddieben, sondern nach ganz anderen Leuten schielen. Was nicht allein für die Linke gilt. Wie war das mit der Präsentation der Spitzenkandidaten in deren Abwesenheit? Wenn die aktuelle Geschichte, die man gerade erzählt, nicht so besonders zieht, denkt die Vorsitzende Katja Kipping wohl, dann muss man eben in die Zukunft verweisen:

“Das wird noch eine ganz offizielle, viel pompösere Präsentation und festlichere Präsentation geben.”

Ja,ja. Irgendwann im Neuen Jahr. Aber bevor es so weit ist, gibt es erst mal in vielen deutschen Wohnzimmern eine ganz andere festliche Präsentation namens Weihnachten. Mit etwas Glück geht es dabei harmonischer zu als üblicherweise im Regierungsviertel. Vielleicht ja gerade, wenn man zusammenrückt und sich Geschichten erzählt.

Zuletzt aktualisiert: 15.08.2018, 05:48:55