Kommentar zu Abschiebungen nach Afghanistan

Gepostet am 15.12.2016 um 15:50 Uhr

In der Nacht wurden 34 Menschen nach Afghanistan abgeschoben. In ein Land aus dem Nachrichten immer mit den drei Worten beginnen: Anschläge, Tote und Verletzte. Kann man das guten Gewissens tun? Ist Afghanistan ein sicheres Land?

Es dreht sich alles um eine Frage: Können wir guten Gewissens Flüchtlinge nach Afghanistan zurückschicken?

Wenn ich das Radio einschalte und über Afghanistan berichtet wird, höre ich immer nur von Anschlägen, Verletzten und Toten. In den letzten acht Jahren wurden 70000 Afghanen getötet oder verletzt. Die deutsche Vertretung in Kabul gleicht einem Hochsicherheitstrakt. In dieses Land haben wir jetzt 34 Menschen zurückgeführt, wie es im Amtsdeutsch heißt. Flüchtlinge, die keinen Anspruch auf Asyl haben. Alles Männer, keine Familien. Von den 34 waren elf hier in Deutschland straffällig geworden: Drogenhandel, Vergewaltigung und Totschlag. Alle 34 wurden hier freundlich aufgenommen, um ihnen Schutz zu geben. Ein Teil davon hat diese Hilfe missbraucht! Und noch eine Zahl ist wichtig: Über 3000 Afghanen sind in diesem Jahr bereits freiwillig, mit finanzieller Hilfe durch die Regierung, in ihr Land zurückgekehrt. Was ist auch ihnen geworden? Leben sie noch? Diese Fragen muss sich jetzt Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellen. Er hat es zu verantworten, er hat Flüchtlinge zurückgeschickt. Er verlässt sich darauf, dass es in Afghanistan noch ein „Fitzel“ Land gibt, auf dem sie sicher leben können.

Und ich vertraue darauf, dass dieser Innenminister und die gesamte Große Koalition sich daran halten was sie versprochen haben: Das jeder Einzelfall bei einer Abschiebung gewissenhaft überprüft wird.

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Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 21:10:06