“Fallen Sie uns bloß weiter auf den Wecker” – Empfehlungen des WBGU

Gepostet am 13.12.2016 um 13:30 Uhr

In dem Gutachten spricht sich der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) für einen Wandel der Energiesysteme aus und fordert eine gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Für Hans Joachim Schellnhuber ist die Sache wissenschaftlich eindeutig: Wir müssen in Sachen Klima etwas tun. Schellnhuber ist Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen. Seit zwei Wochen hat Deutschland den Vorsitz der G20 inne, also der weltweit wichtigsten 19 Staaten plus Europäischer Union. Der Beirat hat ein Gutachten mit Empfehlungen für die Zeit des Vorsitzes erarbeitet. Die G20 sollen als Ziel festlegen, dass sie bis 2050 kohlendioxidfrei sind:

“Der Transformation werden wir nicht entrinnen. Notfalls transformiert uns die Natur in einer fünf, sechs oder acht Grad wärmeren Welt. Und das kann ich Ihnen schriftlich geben, da wird nichts bleiben wie wir es gewohnt sind. Da ist es schon selbst besser, die Moderne zu gestalten”, sagt Schellnhuber.

Schellnhuber hat eine ganze Reihe von Vorschlägen. Die erneuerbaren Energien rapide ausbauen oder den Energieverbrauch begrenzen. Außerdem müssen Staaten müssten aufhören, Kohle, Gas und Erdgas zu verbrauchen und gezielt in Nachhaltigkeit und Klimaschutz investieren.

Das Geld dafür soll aus einem so genannten Zukunftsfond kommen, der wieder über eine neue Form der Erbschaftssteuer finanziert werden könnte. Eine neue Form der Erbschaftssteuer, nachdem sich die große Koalition erst vor einigen Monaten auf eine Reform geeinigt hat? Bundesumweltminister Hendricks, die den Bericht gemeinsam mit Bildungsministerin Wanka entgegengenommen hat, ist skeptisch:

“Ich gehe davon aus, dass es dafür keine politische Mehrheit in der Bundesrepublik Deutschland zur Zeit und möglicherweise auf absehbare Zeit gibt”, so Hendricks.

Dabei glaubt auch Hendricks: Die Rettung des Weltklimas ist die entscheidende Gerechtigkeitsfrage im 21. Jahrhundert. Skeptisch ist Hans Joachim Schellnhuber, was sich während der G20-Präsidentschaft von Deutschland konkret durchsetzen lassen wird – angesichts der Tatsache, dass Donald Trump US-Präsident ist. Trump hat schon verschiedentlich erkennen lassen, dass er eher nicht an den Klimawandel glaubt, genau wie seine Berater. Eine andere Herausforderung: die sichere Versorgung über erneuerbare Energien. Bildungsministerin Wanka glaubt, dass noch enorm viel Forschung und Innovationen notwendig sind:

Wenn man heute, jetzt den gesamten Energiebedarf decken würde aus dem was wir speichern können – reicht keine Dreiviertelstunde. Diese Aufgabe beim Anwachsen der Erneuerbaren, dass die dann auch wirklich gespeichert werden können, im volkswirtschaftlichen Umfang ist nicht gelöst.

Das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats: Es ist kein konkreter Fahrplan, eher eine Ansammlung von wichtigen und halbkonkreten Anregungen. Hans Joachim Schellnhuber findet: Man muss auch Ideen abseits des Mainstreams in Spiel bringen, an denen man sich reiben kann. Und zitiert Angela Merkel, die zu dem wissenschaftlichen Beirat gesagt habe: fallen Sie uns bloß weiter auf den Wecker. Das, so Schellnhuber trocken, tue man hiermit.

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 20:40:45