PISA-Studie 2015: Das Jammertal ist verlassen, aber…

Gepostet am 06.12.2016 um 13:45 Uhr

Alle drei Jahre führt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, den weltweit größten Bildungsvergleich durch. Die jüngsten Ergebnisse: Deutschland liegt immer noch über dem Durchschnitt, darf aber in seinen Bemühungen nicht nachlassen.

Deutschland habe das Jammertal des PISA-Schocks des Jahres 2000 verlassen. Das ist die gute Nachricht, die der Berliner OECD-Leiter Heino von Meyer verkündet. Das Leistungsniveau der deutschen Schüler bewege sich nun auf einer Art Hochplateau im oberen Mittelfeld der OECD-Länder. Von Meyer hat aber auch eine schlechte Nachricht:

„Von einer weiteren Aufstiegsdynamik ist nichts zu spüren. Das heißt: Der Anschluss an die Gipfelstürmer, nicht nur in Asien, auch in Europa und Nordamerika, droht verloren zu gehen.“ Heino von Meyer, OECD-Experte

Drei Kernbereiche hat die OECD in ihrem internationalen Bildungsvergleich 2015 untersucht: Die Naturwissenschaften als Schwerpunktbereich, außerdem Mathematik und Lesekompetenz. Hier sind die deutschen Schülerinnen und Schüler besser geworden, während die Leistungen in Mathe und Naturwissenschaften stagnierten. In allen drei Bereichen liegt Deutschland aber nach wie vor über dem OECD-Durchschnitt, zusammen mit Ländern wie Australien, Neuseeland, Irland, der Schweiz und den Niederlanden. Teilgenommen an PISA 2015 haben mehr als eine halbe Million 15-Jährige aus gut 70 Ländern und Regionen. In Deutschland waren es rund 6.500.

Spitzenreiter im Bereich Naturwissenschaften ist Singapur, gefolgt von Japan, Estland, Finnland und Kanada. Diesen Ländern bescheinigt die OECD neben den guten Leistungen auch ein hohes Maß an Bildungsgerechtigkeit. Hier hat Deutschland nach wie vor Verbesserungsbedarf:

„Die Unterschiede in den Schulleistungen sind in Deutschland stärker als in anderen Ländern durch den sozio-ökonomischen Hintergrund des Elternhauses und der Schulen geprägt. Aber – und das ist die gute Nachricht: Der Zusammenhang hat sich deutlich abgeschwächt.“ Heino von Meyer, OECD-Experte

Dennoch liegt der Vorsprung der bessergestellten Schülerinnen und Schüler gegenüber den benachteiligten laut dem OECD-Experten von Meyer bei einem Schuljahr.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogedan, räumt ein, dass man sich mit der leichten Verbesserung in diesem Bereich nicht zufrieden geben dürfe. Auch die Geschlechterunterschiede im Bereich Naturwissenschaften gäben ihr zu denken. So schneiden die Jungen deutlich besser ab als die Mädchen. Für einen Wirtschaftsstandort wie Deutschland sei das keine gute Nachricht, so Bogedan.

„Denn zukünftig können wir auf die Fachkräfte nicht verzichten, das heißt, bei der Mädchenförderung müssen wir weiter am Ball bleiben und insbesondere die Mädchen auf für Naturwissenschaften begeistern und auch für Mathematik.“ Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Insgesamt zeigte sich Bogedan mit den Ergebnissen zufrieden:

„Aber es ist wie beim Rudern, man darf da nicht nachlassen, oder wie beim 800-Meter-Lauf, man darf nach 600 Meter nicht aufhören zu laufen, sondern muss weiter das Tempo halten. Und ich glaube, dafür stehen auch in den Ländern alle Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker, dass wir da weiter unsere Aktivitäten fortsetzen, um auch weiter die Spitze zu halten.“ Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Neu war diesmal übrigens, dass die Schülerinnen und Schüler den PISA-Test vollständig am Computer durchgeführt haben. Auch dabei wurde eine Schwäche offenbar: Deutsche Jugendliche sind im Unterricht im Umgang mit Computern zu wenig vertraut. Noch diese Woche will die Kultusministerkonferenz eine Strategie vorstellen zum Thema “Bildung in der digitalen Welt”. Künftig sollen dann auch die nationalen Ländervergleiche computerbasiert durchgeführt werden.

Laut PISA-Studie liegen die deutschen Schüler bei den Naturwissenschaften auf Rang 15, bei Mathematik auf Rang 16 und bei der Lesekompetenz auf Rang 7.

Zuletzt aktualisiert: 19.11.2018, 16:30:03