Wahlkampf im Netz

Gepostet am 01.12.2016 um 13:35 Uhr

Donald Trump hat durch seine Twitter-Kommentare im Wahlkampf nicht nur Hillary Clinton vor sich hergetrieben – sondern teilweise auch die kompletten US-Medien. So weit ist es bei uns zwar noch nicht. Aber auch im kommenden Bundestagswahlkampf werden Soziale Netzwerke eine große Rolle spielen. Die Parteien bereiten sich schon darauf vor.

Egal, ob aus dem Bundestag, aus Fraktionssitzungen oder auch einfach vom Sofa aus. Halina Wawzyniak twittert aus Überzeugung! Immerhin schon über 28.000 Kurznachrichten hat die netzpolitische Sprecherin der Linken inzwischen verschickt.

“Ich finde es zu mindestens Schöne daran, dass man in Kontakt kommt mit Leuten, mit den man sonst vielleicht nicht in Kontakt kommt. Dieses “auf gleicher Augenhöhe” miteinander in die Debatte kommen – das finde ich ja das eigentlich Schöne.”

Aber im Bundestagswahlkampf werden die Sozialen Netzwerke für die Parteien natürlich noch was ganz anderes. Eine riesige und dabei ziemlich preiswerte Werbemaschine. Fast 250.000 Menschen folgen zum Beispiel der SPD auf Twitter. Und das will man im Willy Brandt Haus diesmal auch ausnutzen!

“Wir können unsere Inhalte direkt transportieren ohne das uns Medien die Hälfte wegschneiden oder aus dem Zusammenhang Sätze rausnehmen. Wir können ganz ungefiltert unsere Botschaften senden.”, sagt Generalsekretärin Katarina Barley.

Und das ist ja auch verlockend Aber ungefiltert – das heißt halt auch ungeprüft und unwidersprochen. Und das ist für Politik gar nicht immer so erstrebenswert, findet der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner.

“Ich glaube aber, das wir in einer Phase sind, wo wir sehr genau überlegen müssen, wie gehen wir mit Sozialen Medien, Demokratie und Wahlkämpfen um. Und ich glaube, es ist kein demokratischer Fortschritt, wenn wir Debatten als Parteien gegenseitig über Softwarealgorithmen und Fakeprogramme führen”

Und da sind sich alle Bundestagsparteien ausnahmsweise mal einig. Einen Internetwahlkampf wie in den USA, wo intelligente Computerprogramme millionenfach Tweets und Facebook-Nachrichten verschickt haben – den soll es hier nicht geben. Trotzdem ist man in der CDU-Zentrale nervös. Wie soll man eigentlich reagieren, wenn zum Beispiel die AfD doch die sogenannten Social-Bots einsetzt? Die Kanzlerin hat vor ein paar Tagen im Bundestag gewarnt…

“Dass heute Fakeseite, Bots, Trolle – Meinungsbilder verfälschen können”

Eine wirkliche Gegenstrategie hat man darauf noch nicht. Momentan ist es mehr eine Hoffnung, dass der Wahlkampf fair und zivilisiert ablaufen wird. Auch und vor allem im Internet!

Zuletzt aktualisiert: 14.08.2018, 17:59:57