Codewort Frau Holle – Wie Haushaltspolitiker Spaß haben

Gepostet am 26.11.2016 um 09:10 Uhr

Wochenlang wurde im Ausschuss diskutiert, dann drei Tage lang im Bundestag debattiert und abgestimmt, nun steht der Haushalt für das Jahr 2017. Lustig sind die Wortwechsel der Politiker selten, manchmal dann aber doch.

Haushaltswochen sind ganz schön anstrengend. Die Sitzungen im Ausschuss ziehen sich hin, manchmal bis tief in die Nacht.„Insgesamt wurden 15 Kilo Kaffee verbraucht und damit haben wir wenigstens einen kleinen Beitrag zur Stärkung des Einzelhandels geleistet”, sagte die Haushaltspolitikerin der Linkspartei, Gesine Lötsch, am Donnerstag im Bundestag und warf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor, ihm sei anstrengunglos die schwarze Null in den Schoß gefallen:

„Sie mussten nur die Hand aufhalten und Frau Holle beglückte Sie mit 100 Milliarden Euro Zinsersparnis.“

Frau Holle?

„Ja, wir haben mit den niedrigen Zinsen auch Glück gehabt. Aber in dem Märchen von Frau Holle – das muss ich jetzt doch mal sagen – fallen die Sterntaler ja nur für diejenigen, die Gutes tun. Wenn wir die Rezepte der Opposition verwirklichen würden, dann wären wir ganz schnell in der Rolle von Pechmarie. Und dann schauen Sie mal, wie Sie dann aussehen.“ Finanzminister Wolfang Schäuble

Schwarz vielleicht, was Schäuble witzig finden dürfte. Genauso lustig wie die Märchenstunde im Bundestag. Frau Holle. Mitteleuropäische Sagengestalt. Die Brüder Grimm haben die Geschichte aufgeschrieben. Trotzdem gibt es viele Versionen. Diese zum Beispiel:

„Aber so kommen Sie daher, wie Frau Holle im Himmel, die segensreichen Schnee über dem Land verteilt, Ihr Problem, Herr Finanzminister, es ist Schnee von gestern.“ Roland Claus, Linkspartei.

SPD, CDU, in aller Munde: Frau Holle.

„Und Herr Berghegger, vielleicht hätten Sie nicht nur mit Frau Holle reden sollen, vielleicht hätten Sie mit den Bürgerinnen und Bürgern in diesem Land reden sollen, die täglich Fragen haben.“ Tobias Lindner, Grüne

Seeungeheuer setzt sich nicht durch

Tobias Lindner von den Grünen hätte lieber über Seeungeheuer gesprochen, denn die fabelhafte Runde im Bundestag ist verabredet. Die Haushaltspolitiker einigen sich vor der Debatte auf ein Wort, das jeder einbindet in seine Rede. Haushälter-Humor. Nur mit Zahlen ist das Leben einfach zu spröde. In den vergangenen Jahren war es „Glühwein“ oder „bibelfest“. Seeungeheuer setzte sich dieses Jahr nicht durch.

„Sollen ja fünf Korvetten neu beschafft werden“, so Bartholomäus Kalb, CSU, seit fast 30 Jahren im Bundestag, parlamentarische Sagen-Gestalt, zum Verteidigungshaushalt, neue Korvetten für die Marine. „Und die werden wir nicht verwenden zur Bekämpfung von Seeungeheuern, Herr Dr. Lindner.“

Tobias Lindner von den Grünen. Stellt viele Anfragen ans Verteidigungsministerium. Warum gibt es Verzögerungen bei der Auslieferung des Flugzeugs A400M. Solche Sachen. Mag Tiere. Auch Seeungeheuer, auch wenn sie nicht grün sind.

1918 sank ein deutsches U-Boot vor der britischen Küste. Der Kapitän überlebte und behauptete, ein Seeungeheuer habe das U-Boot angegriffen. Jetzt hat eine Firma, die Seekabel verlegt, das Wrack entdeckt. Und schon wird wieder spekuliert: Wie kam es zum Untergang? Tobias Lindner fragte im Verteidigungsministerium nach. Schriftliche Frage vom 27. Oktober.

Fünf Fragen darf Lindner stellen, die letzte wollte er nicht verfallen lassen. Also Seeungeheuer. Antwort: Die Bundesregierung verfügt über keine belastbaren Erkenntnisse, die belegen könnten, dass es Verluste von Unterseebooten gab, die auf Angriffe von sogenannten Seeungeheuern zurückzuführen waren oder sind. Zitat Ende. Vielleicht weiß Frau Holle mehr.

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2017, 04:06:56