Die Gegenwart der Abwesenden – Trump, Schulz und Co.

Gepostet am 25.11.2016 um 15:35 Uhr

Trump, Schulz und Petry werfen ihre Schatten voraus: Sie sorgen für Gesprächsstoff und dominieren die politischen Debatten in Berlin, ohne dafür überhaupt anwesend sein zu müssen.

Es gibt Menschen, die sind gar nicht da und doch allgegenwärtig. Zum Beispiel Donald Trump, der kommende US-Präsident, in der Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages. Oppositionsführerin Sahra Wagenknecht von der Linken zum Beispiel kann kaum genug von ihm bekommen, kein Name fällt in ihrer Rede so oft wie dieser. Am liebsten, wenn es gegen die Bundeskanzlerin geht:

„Offenbar hat ja selbst noch ein Donald Trump wirtschaftspolitisch mehr drauf als Sie. Denn immerhin hat der Mann begriffen, dass gegen Krise und marode Infrastruktur nicht Kürzungspolitik hilft, sondern ein großangelegtes öffentliches Investitionsprogramm.“

Sonst dient Donald Trump der Linken eher als Negativbeispiel für Untergangsszenarien aller Art. Wagenknecht nutzt die Gelegenheit, sich zur Fürsprecherin derjenigen zu machen, die neuerdings als Abgehängte bezeichnet werden. Die Beschäftigten, deren Gehälter hinten und vorne nicht reichen, die Altersarmen der Zukunft, die enttäuschten – möglichen – Wähler der allseits so genannten Populisten. Ein Bumerang. Jedenfalls wenn es nach Thomas Oppermann von der SPD ginge – in diesem leicht verunglückten Teil seiner Rede:

„Ihre Antwort auf den Popo von…“
Auf den was?
„Auf den Popo, äh, Populismus von rechts ist mehr Populismus von links.“

Merke: Populismus ist immer das, was die anderen machen. So ähnlich sieht man es wohl auch bei den Grünen. Da kommt der Milliardär aus New York schon im ersten Satz von Anton Hofreiter zu Ehren: „Die Wahl von Trump war ein Schub für mehr Nationalismus und Ressentiments.“

Was vielleicht auch die Kanzlerin so einschätzen mag. Nicht umsonst beginnt sie ihre Rede mit diesem Zitat für eine offene Gesellschaft:

„Die Bereitschaft mit denen zusammenzuleben, die anders sind, war vielleicht der außergewöhnlichste Schritt auf dem Weg des Menschen zur Zivilisation. Ein Schritt, welcher der Demokratie vorausging und sie überhaupt erst möglich gemacht hat.“ Bundeskanzlerin Merkel zitiert Mario Vargas Llosa

Namen nennt Angela Merkel keine. Es gibt ja in der Union auch keine wichtigen Namen mehr – außer eben ihren. Dafür gibt es in der SPD wenigstens noch einen Namen, der für etwas Aufregung sorgt: Martin Schulz. Der Noch-Präsident des EU-Parlamentes sei zwar ein Verlust für Europa, so Hubertus Heil, aber: „Für Berlin freuen wir uns natürlich über Verstärkung mit Martin Schulz, den können wir hier auch gut gebrauchen.“

Ob nun als Außenminister-Nachfolger oder Kanzlerkandidat. Egal. Schulz ist zwar noch nicht da, aber eben schon Gesprächsstoff. Fast wie die AfD. Die geistert nämlich durch den Bundestag, obwohl sie gar nicht drin ist. Hier als eine Art Vorwurf gegen die Bundesregierung, einmal mehr von der Linken Sahra Wagenknecht.

„Wenn man sich diese Politik anguckt, da muss man fast schon den Verdacht haben, Sie haben einen geheimen Werbevertrag mit der AfD abgeschlossen. Das ist doch unglaublich, was Sie da machen.“

Schwer zu glauben ist übrigens auch, dass die Hauptstadtpresse dieses Jahr Frauke Petry von der AfD nicht zum Bundespresseball eingeladen hat. Schließlich weiß man doch: Auch wer abwesend ist, kann allgegenwärtig sein.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 01:17:36