Sturzgeburt oder geplanter Kaiserschnitt? Die SPD nach Merkels Ankündigung

Gepostet am 21.11.2016 um 17:50 Uhr

Mit wem die Union in den Wahlkampf zieht, ist jetzt geklärt, aber was macht die SPD? Die will sich nicht hetzen lassen. Dabei glauben viele in Berlin, dass die Entscheidung längst gefallen ist.

SPD-Parteivize Ralf Stegner ist immer gut für ein knackiges Bild. Er verspricht: Diesmal wird seine Partei ihren Kanzlerkandidaten ausrufen „ohne Sturzgeburten zu veranstalten“. Sturzgeburt: Das Trauma aus dem letzten Bundestagswahlkampf, als Peer Steinbrück in einem völlig ungeordneten Hauruck-Verfahren nominiert wurde und dieses Chaos den Ton für den gesamten Wahlkampf setzte. Deshalb jetzt das Mantra: Bloß keine Hektik.

„Unseren eigenen Kanzlerkandidaten werden wir, wie bereits angekündigt, Anfang nächsten Jahres benennen – zur Klausur Ende Januar des Parteivorstandes.“ Generalsekretärin Katarina Barley

Man könnte sagen: Statt Sturzgeburt diesmal also ein planmäßiger Kaiserschnitt. Aber erst Ende Januar? Das halten wir nie im Leben durch, fürchten manche Genossen, bis dahin sind es ja noch zwei Monate. Wie sollen wir es schaffen, so lange nicht zu erklären, wer für die SPD ins Rennen gegen Angela Merkel geht?

Inhaltliche Debatten vor Personendebatte

Selbstdisziplinierung ist die Antwort derer, die diesen Zeitplan für genau richtig halten. Weil man dann nicht wie von der CDU getrieben wirke und außerdem noch Zeit habe, ein paar inhaltliche Dinge festzuzurren, bevor sich nach der Nominierung alles nur noch um Personen dreht.

„Wir wollen nicht nur eine Personendebatte führen, sondern wir wollen vor allem eine inhaltliche Debatte führen.“ Parteivize und Familienministerin Manuela Schwesig.

Als wichtigste sozialdemokratische Themen nennt Schwesig: Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit. Führende Genossen wie der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel fordern, die Partei müsse wieder mehr nach links rücken, um Merkel schlagen zu können.

Kanzlerkandidat schon ausgemachte Sache?

Bleibt aber immer noch die Frage: Mit wem als Kanzlerkandidaten? Viele in Berlin glauben, das sei längst ausgemachte Sache. Der immer wieder genannte Martin Schulz wolle doch als EU-Parlamentspräsident in Brüssel bleiben, Sigmar Gabriel werde es machen. Andere schauen auf die zuletzt sehr zahlreichen Auftritte von Schulz bei diversen Parteiveranstaltungen und haben so ihre Zweifel, ob die Frage wirklich schon geklärt ist.

Klar ist allerdings eins: Spätestens mit Merkels Ankündigung haben die Genossen in den Wahlkampfmodus geschaltet – auch wenn Katarina Barley und Manuela Schwesig ihre Kritik an der Kanzlerin etwas lustlos vortragen. „Das war gestern ein ziemlich kraftloser Auftritt und man muss schon sagen, dass nach bald zwölf Jahren die Luft bei Frau Merkel offensichtlich raus ist,“ sagt Barley. Und Schwesig: „Ich glaube, dass Frau Merkel ihr Verdienste hat, dass sie aber nicht mehr für die Zukunft steht.“

Aber gut: Wer immer versichert, dass man die zehn Monate bis zu Bundestagswahl noch gut mit der Union zusammenarbeiten will, der darf auch nicht zu früh zu feste draufhauen.

Zuletzt aktualisiert: 16.09.2019, 04:55:23