Antibiotika-Resistenz: Bundesregierung versucht gegenzusteuern

Gepostet am 21.11.2016 um 14:05 Uhr

Weltweit nehmen Antibiotika-Resistenzen zu. Die Folgen: Chronische Erkrankungen können nicht mehr behandelt werden. Die Bundesregierung versucht das Problem seit einem Jahr mit einer eigenen Strategie zu bekämpfen.

Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, dann wird auch eine einfache Blutvergiftung wieder zum tödlichen Risiko. Es ist also höchste Zeit zum Gegensteuern, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, droht uns ein Rückfall gleichsam ins Vor-Penicillin-Zeitalter. Das hätte dramatische Folgen.“

Kampf an mehreren Fronten
Und deshalb hat die Bundesregierung vor einem Jahr ihre Antibiotika-Resistenzstrategie 2020 beschlossen. Weil Antibiotika immer noch gerne falsch verordnet und genommen werden, steht an erster Stelle die Aufklärung. Die typischen Erkältungen im Winter sind zum Beispiel fast immer durch Viren verursacht. Antibiotika helfen da nichts. Im Gegenteil: Wenn man die Pillen unnötig schluckt, helfen sie irgendwann nicht mehr, wenn man sie wirklich braucht!

„Die Aufklärungsarbeit wird sich verstärkt an jeden in unserem Land richten müssen, dass auch keine falsche Nachfrage gleich nach einem Antibiotikum ruft, wenn das Kind das erste Mal über Ohrschmerzen klagt.“ Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe

Vor allem Kinderärzte sollen laut einem Gesetzentwurf künftig durch einen Abstrich prüfen, ob ein Antibiotikum wirklich hilft. Mindestens genauso wichtig ist aber auch bessere Hygiene in den Krankenhäusern, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

„Im Vergleich zu den Verkehrstoten sterben sehr viel mehr Menschen durch vermeidbare Infekte im Krankenhaus – die sind einfach einer Routine-Operation zugeführt worden und bekommen dann einen Keim, den sie nicht mehr loswerden.“

Und weil dadurch pro Jahr immer noch mindestens 10.000 Patienten sterben hat das Gesundheitsministerium sein millionenschwere Hygieneprogramm aufgestockt und verlängert. Das Problem der multiresistenten Keime wird also durchaus an verschiedenen Fronten angegangen. Schon seit Jahren dürfen deshalb auch Viehbauern Antibiotika nicht mehr zur Mast einsetzten. Theoretisch jedenfalls, sagt die Agrarexpertin von Germanwatch Reinhild Benning:

„Wir haben uns die Milchviehhaltung angeschaut und haben mit Erschrecken festgestellt, dass von zehn Kühen mehr als acht Antibiotika erhalten. Und davon sind wiederum zehn Prozent der Antibiotika-Gaben aus dem Bereich der Reserve-Antibiotika.“

Also genau die, die eigentlich für Menschen zurückgehalten werden sollen, bei denen herkömmliche Antibiotika nicht mehr helfen. Die Lösung für alle Probleme wären natürlich neue Antibiotika. Aber weil damit kaum Geld zu verdienen ist, hat sich die Industrie lange zurückgehalten. Das ändert sich zwar gerade, auch durch politischen Druck, aber schnelle Hilfe ist trotzdem nicht in Sicht. Bis ein neues Medikament in den Verkauf geht, braucht es im Schnitt 10 bis 15 Jahre.

Zuletzt aktualisiert: 12.12.2017, 17:01:45