Obama und die Deutschen: Everlasting Love?

Gepostet am 16.11.2016 um 12:00 Uhr

Obama kommt ein letztes Mal als Präsident nach Berlin. Die Deutschen haben ihn gefeiert, geliebt – Enttäuschungen gab es trotzdem. Ein Rückblick auf das deutsch-amerikanische Verhältnis in der Ära Obama.

Wir schreiben das Jahr 2008. Der amerikanische Präsident heißt George W. Bush und ist in Deutschland maximal unbeliebt, insbesondere der mit falschen Begründungen geführt Irak-Krieg schlägt da negativ zu Buche. Aber in diesem Sommer 2008 schickt sich in den USA einer an, Präsident zu werden, der eine ziemlich deutschland-untypische US-Begeisterung auslöst. Eine Verliebtheit geradezu.

Jubel, schon für den Kandidaten Obama, im Juli 2008 an der Siegessäule in Berlin. Und nach dem Wahlsieg im November dann Verzückung quer durch alle Bundestagsfraktionen:

Ich glaube, dass das wirklich ein historisches Ereignis ist.

Das ist ein neues Amerika!

Das ist natürlich auch ein neuer Schritt in eine neue Zukunft!

Bedeutet zunächst mal für Amerika eine Zeitenwende.

Das ist ein Amerika, das wir noch nicht gesehen haben.

Es ist eine Kulturrevolution.

Und das ist phänomenal!

Solche hochgespannten Erwartungen müssen enttäuscht werden – besonders bei Linken wie Petra Pau oder dem Grünen Hans Christian Ströbele macht sich über die Jahre Ernüchterung breit.

Als Politikerin, die das Thema Bürgerrechte und Demokratie zum Beispiel bearbeitet, habe ich sehr viel auf sein Versprechen, Guantanamo aufzulösen, gesetzt. Das ist tatsächlich zerstoben.

Ich bin jetzt darüber enttäuscht, dass er beispielsweise diesen Drohnenkrieg ja ungeheuer eskaliert hat und geradezu gesellschaftsfähig gemacht hat, so dass auch Deutschland Kampfdrohnen inzwischen anschaffen will.

Ein US-Präsident ist eben ein US-Präsident und bleibt ein US-Präsident. Heilige sind für dieses Amt nicht qualifiziert – das sagte Sigmar Gabriel schon vor drei Jahren:

Es gibt in der Politik keinen Messias, wir können nicht über Wasser laufen. Wir sind alles nur Menschen und so ist es dann ja auch gekommen.

Und dennoch: Wie in einer guten Ehe, in der die Verliebtheit ein wenig der Vertrautheit Platz macht, werden die acht Jahre mit Barack Obama den Deutschen im Rückblick eher als gute Jahre in Erinnerung bleiben. Ein Präsident, der internationale Zusammenarbeit sucht, im Klimaschutz und anderswo. Und über die Macken sieht man im Rückblick ja gerne hinweg. Die Verklärung der Ära Obama wird in Deutschland bald einsetzen – wozu die herzliche und innige Abneigung gegen den Nachfolger einen ordentlichen Teil beiträgt. Tschüss, Barack!

Bald schon müssen die Deutschen mit Obamas Nachfolger Donald Trump klarkommen:

Das Video erscheint in Kürze.

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2017, 18:58:39